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Boris Büchler gibt Einblick in sein Schaffen

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Boris Büchler ist oft jener Mann, der nach dem so genannten Abendspiel für das ZDF Sportstudio einen Protagonisten der Partie zum anschliessenden Interview bittet. Die Fragen stellt er nicht am Spielfeldrand, sondern in einem Studioambiente, eine gewisse Zeit nach Spielschluss. Eigentlich komfortable Voraussetzungen.

Letzten Samstag hat sich das ZDF fürs Interview Denis Undav ausgesucht.

Undav hat zwar im Spiel zuvor keine massgebliche Rolle gespielt, so dass der Einsatz einer ZDF-Spezialkamera, ständig auf Undav gerichtet, eher für die Katz war. Aber viel wichtiger als das ereignisarme Spiel war die Personalie Undav ja für das, was zuvor am Montag passierte. Mich lassen diese Interviews mehr oder weniger direkt nach Spielschluss meist eher ratlos zurück – und manchmal, wie an diesem Samstag, wird daraus purer Ärger.

Ich will mal wiedergeben, wie der zweite Teil des Auftritts – Boris Büchler fragt Denis Undav – abgelaufen ist, und am besten stelle ich [meine Gedanken] gleich dazu. So könnt Ihr selbst beurteilen, wer sich hier mehr unmöglich macht – Büchler oder ich.

Ich bemühe mich, das Interview im Wortlaut korrekt wiederzugeben:

Es war eine ereignisreiche Woche für Sie. Am Montag Ihr Länderspiel haben Sie das Siegtor gemacht kurz vor Schluss in der 88. Minute. Anschliessend hat der Bundestrainer Sie ein bisschen gekitzelt und kritisiert auf der Pressekonferenz und gesagt, Sie hätten bis dahin kein gutes Spiel gemacht und letztendlich hätten Sie gefühlt nur einen Ballkontakt gehabt – waren Sie sauer auf ihn, waren Sie enttäuscht, dass er das öffentlich macht?

[Die Aussage Nagelmanns, genervt ob der siebentägigen Diskussion rund um Undav ist viral gegangen, und sie zu repetieren, ist ein Fressen, denn natürlich waren es mehr Ballkontakte, allerdings ohne dass daraus Gefahr entstanden wäre. Interessant ist hier immer, wie suggestiv die Reporter ihre Fragen stellen. Sie fragen nicht einfach, wie das beim Spieler ankam, sie wissen es schon und wollen nur die Bestätigung hören. Im Grunde sagen sie dabei vor allem sehr viel über sich selbst aus.]

Nee, gar nicht. Wie gesagt, ich hab mit dem Bundestrainer am Tag danach, haben wir am Montag gespielt? – ja, am Tag danach telefoniert. Wir haben alles geklärt, zwischen dem Bundestrainer und mir ist alles gut und ich glaube, dass man jetzt ruhig bleiben kann. Ich versuch alles zu geben, für die WM, dass ich dabei sein darf, und wie gesagt, wir sind eine Einheit, wir sind ein Land, und ob ich eine Minute spiele oder neunzig Minuten, ich werde immer alles geben und versuchen, der Mannschaft zu helfen, und das weiss der Bundestrainer, und deswegen versuche ich jetzt einfach, Leistung zu bringen, dass ich mich für die WM, für den Kader bewerben kann, dass ich dabei sein darf, und dann mal schauen.

[Da hat ein Spieler Demut gelernt, und es ist nicht schwer, sich vorzustellen, welche Ansagen Nagelsmann dem jungen Spieler in diesem Telefongespräch gemacht hat. Mit dem Theater hat Schluss zu sein und der Spieler hat es verstanden. Die Antwort dürfte Nagelsmann gefallen haben. Büchler eher weniger:]

Waren Sie intern, also ohne Kameras, auch so wie jetzt grade, oder waren Sie ein bisschen enttäuscht, dass Sie sagen, mein Gott, ich will doch einfach nur mein Bestes geben, will in die Startelf, und dann krieg ich so einen vom Bundestrainer verbraten?

[Büchler hakt nach, nimmt Undavs ursprüngliches Unverständnis über seine Rolle erneut auf, als hätte Undav sich zuvor nicht gerade dazu geäussert. Und welche Antwort erwartet er um Himmels Willen auf diese Frage? Sportjournalisten scheinen ihre Aufgabe immer wieder darin zu sehen, Zwietracht, zu säen bzw. neu zu pushen, denn es ist ja zu langweilig, wenn sich die Beteiligten einkriegen.]

Nein, ich bin, wie gesagt, entspannt – gepresstes Lachen von Büchler im Hintergrund – ich weiss das einzuordnen, deswegen ist alles gut zwischen Herrn Nagelsmann und mir. Deswegen, der Fokus ist jetzt grade nicht auf die Nationalmannschaft, sondern dass wir uns für die Champions League qualifizieren mit dem VfB, und dafür werd‘ ich alles geben.

[Die Laute von Büchler wie seine ganze drängende Körpersprache sind peinlich].

Also, zusammenfassend, es gab ein klärendes Gespräch, und es bleibt nichts mehr hängen.

Richtig.

Dann wünsche ich Ihnen ein schönes Osterwochenende noch.

Danke gleichfalls.

Ein Fazit ziehe ich nicht

Aber ich hoffe, dass Sie, Herr Undav, wirklich ein schönes Osterwochenende hatten. Wenn Sie aus der ganzen Geschichte lernen, ist das der Prozess, der aus Ihnen einen gestandenen Profi machen wird – und Journalisten wie Boris Büchler trainieren Sie dafür. Es dürfte Ihnen auch klar geworden sein, dass nicht nur in dieser Sequenz ein guter Teil der journalistischen Motivation jeweils darin liegt, dem Bundestrainer am Zeug zu flicken, was selten, wirklich selten zum Vorteil des Spielers ausgeht. Sich hierfür wie für anderes nicht benutzen zu lassen, ist manchmal eine Kunst. Diesen Test hier haben Sie in jedem Fall bestanden.

Ja, und mich kann man nun fragen, warum ich mich denn überhaupt so ereifere? Denn Büchlers Fragen haben ja immerhin dazu geführt, dass ich mir den Inhalt des Telefonats am Dienstag ziemlich genau vorstellen kann. Auch wenn Büchler danach gar nicht gefragt hat. Weil das dann wirklich intern ist, und nicht vor die Kamera gelangt? Ich könnte diesen Job nicht machen. Wobei ja noch die Frage bleibt, ob man ihn genau so machen soll, machen muss?

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