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Schiessbudenwart oder Matchwinner?

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Das Torhüterdasein ist nichts für Jedermann. Es gibt diejenigen, deren Monstersaves immer wieder nacherzählt werden, und jene, deren Flops nie vergessen gehen. Jakub Dobes hat gestern eine ganz besondere Leistung vollbracht.

Die Montreal Canadiens mit ganz jungen Torhütern im Playoff

Die letzte in den NHL-Playoffs vertretene kanadische Mannschaft hat ein eh junges Torhütergespann am Start. Der Tscheche Jakub Dobes ist 24, sein Backup Jacob Fowler erst 21 Jahre alt. Um so verblüffender sind die Leistungen von Dobes in den bisherigen elf Playoff-Spielen. Montreal hat die erste Runde im siebten Spiel gegen Tampa gewonnen, und Dobes hat dabei im Vergleich mit dem Torhüter von Tampa Bay, dem mehrfachen Stanley Cup Sieger Andrei Vasilevski, mehr als nur bestanden. Auch gegen die Buffalo Sabres ist er in den ersten vier Spielen ein souveräner, ruhiger und stabiler Rückhalt. Spiel fünf, es steht 2:2, und dann das….:

Ein Horrorstart

Gut 10 Minuten sind erst gespielt in Buffalo, als Dobes bereits das dritte Gegentor fängt – und es ist ein grosser Torwartfehler – er hat freie Sicht auf den Schützen, der aus der Distanz flach aufs Tor schiesst. Dobes lässt den Puck zwischen den Schonern passieren. Es ist der dritte Gegentreffer beim vierten Schuss auf sein Tor und der erneute Rückstand zum 2:3. Alles schaut zur Bank – wo Trainer St. Louis keine Anstalten macht, den Torhüter zu wechseln, wie es sonst häufig in solchen Situationen geschieht.

Die Herausforderung für Dobes ist maximal. Es gibt Spiele, in denen der Puck magisch vom Torhüter angezogen zu werden scheint, und generell sind Fangquoten ab 90% gute Werte für einen Eishockeytorhüter. Dobes steht nun bei 25%… und zwei Gegentore sind nicht zwingend, das dritte darf einfach nicht passieren…

Wie Phoenix aus der Asche

Was dann folgt, ist für mich eine der bemerkenswertesten Leistungen der ganzen Saison in dieser Liga. Ein paar wenige Saves genügen, Dobes kann den Beginn des Spiels aus den Knochen schütteln und macht dort weiter, wo er zu Beginn des Spiels stand – mit der Form, die ihn die Saison über ausgezeichnet hat. Dobes lässt kein weiteres Tor mehr zu, hält die nächsten 32 Schüsse allesamt und steht zum Schluss des Spiels bei einer Fangquote von 91.7%. Er ist nicht der Fliegenfänger des Abends, sondern der Matchwinner seines Teams, das aus einem 2:3 Rückstand einen 6:3 Sieg macht.

Jakub Dobes spielt erst sein 74. Spiel, es ist seine zweite Saison in der NHL und die erste Playoff-Saison überhaupt. Aber er ist das Symbol dieser jungen Überraschungsmannschaft, und Trainer und Mannschaft vertrauen ihm, so dass der Traum noch lange weiter gehen könnte. In der Nacht auf Morgen haben die Canadiens zuhause die Möglichkeit, den finalen vierten Sieg zu realisieren und in den Halbfinal einzuziehen.

Ergänzung vom 17. Mai 2026, 9h00: Zwei Tage später neue Wechselbäder: Die Canadiens können ihren Matchpuck zuhause nicht verwerten und verlieren gleich 3:7. Dobes wird zehn Minuten vor Schluss beim Stand von 3:6 diesmal tatsächlich vom Eis genommen. Auslüften, durchatmen… Auf der Gegenseite entscheidet sich Lindy Ruff im Spiel in der Torhüterfrage um: Er hat für dieses Spiel den Torhüter gewechselt und Lyon nominiert. Doch nach dem dritten Treffer zum 1:3 ist für ihn schon wieder Schluss – und Stammtorhüter Luukkonen übernimmt wieder. Und er kassiert keinen einzigen Gegentreffer. Diesmal ist der rechtzeitige Wechsel im Tor Grund für den Erfolg.

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