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Wie macht ein Fussballer eine unnatürliche Handbewegung?

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An der Formulierung, wie man eine Bewegung der Hand als Hands oder eben nicht als strafwürdig beurteilt, zeigt sich das ganze Dilemma mit der so wichtigen Regelauslegung, die für den Ausgang vieler Fussballspiele absolut entscheidend ist.

Frust auf allen Seiten

Ich kenne keinen einzigen Fussballfan, der mit der Situation zufrieden ist. Viele kleine Anpassungen, welche das Regelboard der FIFA in den letzten Jahren in anderen Bereichen vorgenommen hat, haben das Spiel in der Tendenz schneller und attraktiver gemacht, aber selbst die Unterstützung durch den VAR schafft keine Klarheit in der Frage, wann im Sechzehner ein strafbares Handspiel vorliegt und wann nicht. Und die Regel ist so kompliziert, dass auch die Live-Kommentatoren immer häufiger die Waffen strecken und verbal den Kopf schütteln. Immerhin bedeutet das auch, dass man den Schiedsrichtern im Einzelfall nur bedingt einen Vorwurf machen kann, denn ganz offensichtlich ist es besch… kompliziert – und der IFAB ( International Football Association Board), also das Regelgremium der FIFA, musste zuletzt mehrfach nachjustieren, weil die eigene Auslegungspraxis zu inkonsequent war:

Beispiel des Grauens, auch für die Spieler

Die Regel und ihre Auslegung führen – natürlich, denn es geht um Elfmeter-Entscheide – zu einschneidenden, haften bleibenden Ereignissen. Unvergessen der Fall des Spaniers Cucurella im Spiel gegen Deutschland im Viertelfinal der Europameisterschaften 2024: In der 106. Minute schiesst Musiala scharf aufs Tor. Cucurella stellt sich dem Schuss entgegen und bekommt den Ball an den seitlich nach unten gestreckten Unterarm bzw. die Hand geschossen. Für ganz Deutschland war das ein Elfmeter, für den Schiedsrichter Anthony Taylor und den VAR nicht. Was dabei unterging, war die bewertende Beobachtung, welche auch zum Pre-Tournament-Debriefing der UEFA passte: Sie hatte die Schiedsrichter vor dem Turnier ausdrücklich angewiesen, Szenen mit Armen, die eher am Körper oder dahinter geführt werden und den Körper nicht ‚unnatürlich grösser‘ machen, im Zweifel nicht als strafbares Handspiel zu pfeifen. Wieder das Unwort „unnatürlich“. Haltet doch einfach fest: Wenn der Arm im Moment des Treffers am Körper oder leicht hinter dem Körper ist, keine aktive Bewegung zum Ball erfolgt, sondern gar eher eine Abwehrbewegung auszumachen ist, mit der versucht wird, die Körperfläche kleiner zu machen, dann ist es kein Hands. Genau in diese Kategorie fiele dann Cucurellas Bewegung. Tendenziell geht Cucurellas ausgestreckter Arm eher zum Körper und damit vom Ball weg.

Cuccurella wird seither bei jedem Spiel auf deutschem Boden bei jeder Ballberührung gnadenlos ausgepfiffen – wie wenn der Mann die Entscheidung des Schiedsrichters manipuliert hätte.

Welche Bewegung eines Spitzensportlers ist, bitteschön, unnatürlich?

Jedes Mal, wenn ich das höre, flippe ich innerlich fast aus: Was bitteschön ist eine unnatürliche Handbewegung? Wenn ich zum Kopfball hochspringe, nehme ich dabei auch mit der Hilfe meiner Hände und Arme Schwung. Vielmehr unnatürlich dürfte es wohl sein, wenn ich mich in einen Schuss werfe und dabei die Arme verkrampft an den Körper presse oder gar hinter dem Körper zu verschränken versuche. Die Wertung „unnatürliche Handbewegung“ ist so was von unglücklich und bescheuert, dass sie mir jedesmal, wenn sie ausgesprochen wird, als Beweis dafür gilt, wie hilflos die Versuche sind, Klarheit zu schaffen. Es hilft nichts: Es müssen die Situationen beschrieben werden und der Ort und die Bewegung, in welcher der Ball mit der Hand oder dem Arm berührt wird.

Eine strafbare Handbewegung

Ich versuche, es mir so zu merken und wünschte, es würde auch in diesem Sinn erklärt und praktiziert:

Eine Arm- oder Handbewegung ist in jedem Fall strafbar, wenn der Ball den abgewinkelten Unterarm berührt oder den ausgestreckte Arm, der deutlich vom Körper abgespreizt wird. Ist der Oberarm am Körper angelegt oder vor dem Oberkörper, ist die Berührung mit der Hand nicht strafbar. Findet eine Handbewegung zum Ball statt, so ist die Berührung immer strafbar.

Klingt zuerst mal einigermassen plausibel und klar. Und dann lässt Du die Cuccurella-Szene nochmals geschehen und entscheidest neu… Merke – es ist wirklich verd… schwer, die Regeln vernünftig zu definieren. Aber es braucht zwingend mehr Klarheit – und dabei muss in Kauf genommen werden, dass in einzelnen Situationen die Entscheidung unbefriedigend sein kann, weil es einfach maximal unglückliche Situationen geben kann. Aber bitte, bitte, beschreibt Situationen und Ballberührungspunkte und Bewegungen, und beurteilt nicht, was daran warum auch immer unnatürlich sein sollte…

Noch ein kleines Schmankerl-Beispiel zum Abschluss als Ergänzung:

Der Torwart hat den Ball im nicht unterbrochenen Spiel gefangen und will ihn nun abwerfen. Dabei sieht er, dass der gegnerische Keeper weit vor dem eigenen Tor steht. Da der Kunstrasenplatz sehr kurz ist, wirft der Torwart den Ball direkt ins gegnerische Tor. Wie muss der Schiedsrichter entscheiden?

Er entscheidet auf Abstoss, denn seit 2019 wird jedes Tor aberkannt, bei dem ein Handspiel vorlag, egal ob es strafbar war oder nicht. Das gilt in diesem Fall für den Torwart und absolut auch für jeden Stürmer beim Torschuss.

Alles klar? Kein Hands wird übrigens auch gepfiffen, wenn der Verteidiger den Ball, der vom Tor weg geschlagen wird, an die Hand bekommt.

Es bleibt kompliziert und zeigt, wir brauchen die Schiedsrichter und die Anforderungen an sie sind sehr gross. Um so mehr wünsche ich mir, dass man versucht, die einzelnen Fälle uns Zuschauern so zu erklären, dass wir etwas damit anfangen können.

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