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Denis Undav treibt den Bundestrainer vor sich her

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Deutschland gewinnt beide WM-Vorbereitungsspiele im März. Nagelsmann wollte, dass sich die Mannschaft einspielen kann. Aber auch er hat viel getestet, und statt über Florian Wirtz‘ grandiose Entwicklung zu diskutieren, will Denis Undav über sich sprechen, und alle tun ihm den Gefallen.

Der Bundestrainer ist kein Vereinstrainer.

Ein Bundestrainer sieht seine Spieler nicht jeden Tag, kann nicht ständig mit ihnen zusammenarbeiten. Er muss viele Einzelgespräche führen, Konzepte für Spielsysteme erarbeiten. Die Systeme müssen zu den Spielern passen. Idealerweise dient dann die unmittelbare Vorbereitung vor dem Turnierstart dem Feinschliff. In Vorbereitungsspielen wie jetzt im März kann es nur darum gehen, grobe Überprüfungen anzustellen und einzelne Spieler in Rollen zu testen, für die es Backups braucht oder die alternativ gefragt sein können, wenn die Taktik dem Gegner angepasst werden soll.

Vertraulichkeit, Vertrauen und Respekt

Kein Bundestrainer will, dass die Gespräche, die er mit den Spielern führt, öffentlich werden. Der Respekt für die Spieler gebietet, dass er den Spielern ihre Rollen erklärt, bevor er sie öffentlich beschreibt – vor allem dann, wenn diese Rolle vielleicht nicht so tragend zu sein scheint, wie erhofft. Mit dem Ergebnis gehen die Spieler entsprechend ihrem Charakter unterschiedlich um.

Undav macht sich den Druck anders, als er es beabsichtigt

Denis Undav hat sich nun zweimal entschieden, mit seinem Verhalten in der Öffentlichkeit Druck auf den Bundestrainer auszuüben. Da war erst die Reaktion auf ein kicker-Interview von Julian Nagelsmann, in welchem dieser die Spielertypen Havertz und Woltemade als passende Puzzleteile fürs Angriffsspiel bezeichnete. Undav war nicht erbaut, doch die Art, wie er es kund tat, war angriffig, und er vermittelte den Eindruck, als würde Nagelsmann nicht mit ihm reden. Dabei hatte ihm dieser klare Aufträge mitgegeben, woran er arbeiten soll.

Es entstand der Eindruck, als würde er, Undav, Gefahr laufen, gar nicht mehr aufgeboten zu werden, was Nagelsmann nie beabsichtigte. Es war auch gar nicht der Zeitpunkt, in welchem irgendwelche Aufgebote erfolgen mussten. Und nun also hat Undav im zweiten Testspiel im heimischen Stadion als Einwechselspieler das Siegtor geschossen. Nachdem er sich in der ersten Hälfte auf der Ersatzbank hat feiern lassen. Mit seinem erfolgreichen Kurzeinsatz hat er den Bundestrainer ja nicht etwa widerlegt. Es ist die Crux der guten Joker, die ihn erreicht, und offensichtlich nicht die Rolle, die er selbst für sich vorgesehen hat. Was er auch betont: Ja, ich kenne meine Rolle, aber der Bundestrainer soll sie umschreiben. Also muss Nagelsmann erneut moderieren, und es ist offensichtlich, dass ihm das stinkt, weil für ihn die Personalie Undav zu viel Raum in der Debatte rund um die Nationalelf einnimmt. Und wenn er vom Druck spricht, den Undav mit seinem Anspruch erzeugt, liegt darin auch eine Warnung. Es gibt Kritiker, die finden, Nagelsmann gehe zu wenig souverän mit dem Lautsprecher Undav um. Nun, man kann auch finden, dass der Spieler die Autorität des Trainers in Frage stellt – und das in keiner Weise geht.

Und das Team?

Undav sollte sich die Frage stellen, wie sein kapriziöses Verhalten wohl auf Teammitglieder wirkt, die ihre Rollen annehmen und die Vorgabe akzeptieren, intern durch Leistung Argumente für mehr Einsatzzeit zu liefern. Zumal Undav den Medienrumor gar nicht mehr anheizen müsste. Der köchelt ja schon. Deutschland hat sicher 30 Millionen Bundestrainer, die finden, dass einer, der in einer zweiten Halbzeit ein Tor schiesst, von Anfang an eingesetzt bestimmt zwei erzielen würde. Und es gibt genug Journalisten, die dem nicht widersprechen wollen. Ich wüsste gern, was Captain Kimmich Undav so flüstert, wenn sie unter sich sind, und ich würde ihm raten, mal die Telefon-Nummer von Nils Petersen zu erfragen – der kann davon erzählen, wie Mann eine Jokerrolle erfolgreich für alle annehmen und umsetzen kann.

Ein Fest für die Medien

Und die Medien haben natürlich ihre helle Freude daran und fragen gerne nach, und nochmals nach, wenn sie merken, dass ihr Mikrofon eine solche Versuchung darstellt. Deutschland braucht Drama – wenn die Regenbogenbinde dafür nicht taugt, die Diskussion, ob man die USA und damit Trump nicht boykottieren sollte, nicht so richtig Fahrt aufnehmen will, dann müssen Personaldebatten hoch gekocht werden. Dazu passt auch Bastian Schweinsteiger, der bei der ARD am Schluss der zwei Testspiele im finalen Statement ungefragt befunden hat, dass Manuel Neuer an der WM im Tor stehen sollte. Die Debatte war doch nun eigentlich abgeschlossen und keiner hatte sie aufgegriffen. Kein Mensch weiss, was ihn da geritten hat. Und Oliver Baumann dürfte ganz froh sein, hält sich die Personalie Denis Undav so anhaltend in den Schlagzeilen.

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