Hauptsache Sport

gewinnen und verlieren

Bitte leaken?

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Die Nominationen für die Nati werden am Sonntag schon publik – bevor sie öffentlich verkündet werden sollten. Dass Manuel Neuer für die WM aufgeboten wird, wissen auch schon alle. Es scheint immer jemanden zu geben, der gerne was durchsteckt. Der Kreis der Eingeweihten kann gar nicht klein genug sein. Und wenn es dann nicht stimmt, hat das auch niemand zu verantworten.

Die Medienarbeit ist ein Drecksgeschäft geworden,

denn auf jede durchgesteckte Neuigkeit kommen zwanzig produzierte Enten. Und keinen der Schmierfinken und digitalen Luftzerstäuber braucht es zu scheren, weil sie uns das nächste Mal wieder einen Bären aufbinden können – denn wehe, wir regen uns einmal zu spät auf. Oder was?

Ich frage mich wirklich, mit welchem Selbstbild Sportjournalisten ihren Job machen. Und alle, die da ihre Insidernews verprusten, beeinflussen damit den Arbeitsalltag von Spitzenkräften, von denen die gleichen Journis anschliessend Spitzenleistungen erwarten, welche sie selbst unter ähnlichen Bedingungen wohl kaum erbringen könnten. Noch schlimmer sind jene Zuflüsterer, die mit den durchgesteckten Neuigkeiten entweder den Moment der eigenen Wichtigkeit geniessen müssen oder sich aber dazu versteigen, mit ihrem Tun die Medien bewusst in irgend einem eigenen Interesse manipulieren zu können. Dieser Hochmut richtet sich eher früher als später gegen einen selbst, denn die einmal in Kauf genommenen und unkommentiert gelassenen Indiskretionen bis zu den nicht verifizierten oder selbst kreierten Falschmeldungen versauen eine ganze Arbeitskultur – die dann bald mal überall so aussieht, dass sie annähernd wertfrei Content generiert, der sich einen Deut um persönliche Befindlichkeiten von Betroffenen schert.

Und wenn ein Verband eine Verkündung seines Kaders für einen bestimmten Zeitpunkt plant – welche Lust lässt da ein Medienhaus am Tag davor die Liste schon verkünden? Was hat es davon? Und was macht es kaputt? Wollen wir solche Art von „News“ eigentlich? Denn was, bitte, ist unser Gewinn als Newskonsument, wenn wir den Kader einen Tag früher aus einer digitalen Meldung schon kennen? Ändert sich am Inhalt irgend etwas? Welche Befriedigung liegt darin, etwas, das sowieso bekannt wird, keinen wirklich Skandal aufdeckt, früher raus zu posaunen, als es der Verband plant?

Interessant: Ich habe noch nie was vom Leistungsansatz gelesen, der darin liegen könnte, dass die Redaktion, welche die Liste früher besitzt als alle anderen, den Zeitvorsprung dafür nutzt, dass sie zu Für und Wider entsprechend fundierte und ausführliche Expertisen erstellt, um dann, wenn die Liste bekannt gemacht wird, als Erste mit breit abgestützten Pro- und Gegenargumenten die Diskussion anzuführen. Dieser inhaltliche Ansatz ist wahrscheinlich zu anstrengend, und uns Lesenden traut man nicht zu, dass wir genau das, also inhaltlich Wertiges schätzen und belohnen könnten – mit der Aufmerksamkeit, nach der alle gieren.

Kommentare

  1. Eigentlich könnten diese leaks ja nur von den Spielern oder ihrem Umfeld selbst kommen. Traurig ist, dass man nicht ausschließen kann, dass sie aus dem DFB Umfeld stammen, zumindest teilweise. Wie man es macht, haben ja gerade erfahrene Trainer gezeigt. Man kann eben nicht drauf setzen, dass andere stillhalten.

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