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gewinnen und verlieren

Fangewalt: Mal Klartext reden!

von Kommentare: 2

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Der Stadtzürcher Fussball ist nicht nur sportlich, sondern auch mit seiner fehlgesteuerten Fankultur eine einzige grosse Baustelle. Und es wird auch darüber geredet – aber scheinbar nur ausserhalb der Clubs. Die direkte offizielle Ansprache der Missstände durch die Clubleitung fehlt, und wenn es öffentliche, an die Ultras gerichtete Statements der Clubführungen gibt, dann sind diese unerträglich weichgespült.

Die aktuelle Fan-Misere ist einfach eine weitere Kulmination

Die Aktualität – Stand VOR dem morgigen Derby – lässt mich gerade vor allem auf GC blicken, aber die nahe Vergangenheit ist voller Beispiele, die den blau-weissen Farben beider Clubs, GCZ und FCZ, zuzuordnen sind, und entsprechend sollten sich, bitteschön, alle angesprochen fühlen, was wohl ein frommer Wunsch bleibt…

Diese Saison, das Bild in meinem Kopf ist ein paar Wochen her, nach einem, wieder mal schlechten Spiel der Grasshoppers: Die Spieler trotten zu ihren Fans, und ein Ultra-Boss steigt herunter auf die Tartan-Bahn und staucht daselbst die Spieler zusammen. Er brüllt ihnen ins Gesicht und geifert und gestikuliert, dass es eine Pracht ist. Und die Spieler hören zu, mit gesenktem Kopf. Das erinnert stark an die unglaublichen Szenen in früheren Jahren, als die „Fans“, begleitet von Pyros mit der Macht des Mobs die Spieler aufforderten, ihre Leibchen auszuziehen und vor den Ultras auf den Rasen zu legen.

Nun hat GC auswärts gegen den Zweitligisten Stade Lausanne-Ouchy den Cuphalbfinal verloren. Das herrliche 0:2 per direktem Eckball in der Schlussminute war zu viel für die GC-Fans, der Jubel des Torschützen vor ihren Reihen zu provokativ. Die Folge waren erneut Ausschreitungen, Rauchpetarden und die Abräumung des ganzen Mobiliars im Gästesektor. Sitze wurden aus der Verankerung gerissen und in den Innenraum geworfen. Welche schiere Wut dafür notwendig ist, um die Energie dafür aufzubringen, lässt sich erahnen. Und sie kühlte sich nicht ab. Eine Stunde nach Spielschluss attackierten die eigenen Fans den Bus ihrer Spieler mit brennenden Fackeln. Kassenhäuschen wurden geplündert. Der Mob eine einzige Peinlichkeit, in deren Dunstkreis viele maximal Frustrierte im Schutz der Anonymität ihr Mütchen im Aufbegehren pflegen.

Weichgespülte Statements

Gegen was eigentlich? Die Spieler haben ein Fussballspiel verloren. Der Gegner war besser. Ihm gehört der Respekt und die Gratulation. Diese Sätze sind absurd? Genau das ist das Problem!

Die Reaktionen des Managements sind dann jeweils besonders unerträglich und legen das Problem erst richtig offen. Schnell wird darauf verwiesen, dass beim Sturm auf Bus und Garderobe nur noch ein paar Handvoll Fans beteiligt waren und wie sehr man den Frust der Fans verstehe, man sei ja selber auch frustriert.

GC ist finanziell noch viel mehr in Schieflage als der FCZ, die roten Zahlen sind atemberaubend hoch. Die Absichten der chinesischen Investoren hat niemand verstanden, die Verbindung zum Verein wurde nie richtig hergestellt. Die Ablösung ist amerikanisch, in Los Angeles verdienen sie ihr Geld mit Soccer – und in Europa haben sie gleich zwei Manager, welche die Beziehungen nach Österreich, Deutschland und nun in die Schweiz pflegen sollen. Doch die Herren sind beinahe unsichtbar, und es entsteht der Eindruck, dass die Unterschiede in der Kultur der Clubs in Nordamerika und in Europa in keiner Weise verstanden werden. So weit kann ich mit all den Irritationen und Frustrationen der Anhänger von GC mitgehen. Was aber die Kurve betrifft, so hat sie sich zu einem wesentlichen Kern des Problems gemausert, statt Teil der Lösung zu sein und mit ihrem Support zu unterstützen.

Die Statements des Managements zu den Gewaltexzessen gleichen sich in fataler Weise. Sie wirken wie ein offizielles Statement zur Beschwichtigung der „Kurve“, dabei wäre endlich eine Kampfansage angebracht:

Jetzt mal Tacheles

Liebe Fans,

Ihr zerstört den Verein. Ihr macht alles kaputt, was noch für den Sport in unserer Stadt steht. Ihr fordert die Menschen auf, zum Heimspiel gegen Luzern in grosser Zahl zu erscheinen, um dann am Spiel selbst die Kurve leer zu lassen mit dem Hinweis, jetzt auch mal keine Lust zu haben, und vor allem, mit einem Transparent an die amerikanischen Investoren, dass sich die, bitteschön, verpissen sollen. In Englisch, damit sie es auch sicher verstehen. 6800 Zuschauer verlieren sich im Stadion. Die Mannschaft, übrigens, verliert 1:2. Es ist eine Randnotiz. Euer Verhalten ist einfach nur absurd: Einen Geldgeber, der bisher 50 Millionen in den Club investiert hat, ins Pfefferland zu wünschen und stattdessen einheimische Investoren zu fordern, und gleichzeitig mit Euren Exzessen ein eigenes Anti-Bewerbungsschreiben abzugeben, wie es nicht schlimmer sein könnte – das könnte man sich nicht vorstellen, würde man es nicht ganz konkret erleben.

Die Kurve hat die ganze Saison über regelmässig die Aufmerksamkeit vor wichtigen Spielen dazu genutzt, Politik zu machen und Veränderungen im Verein zu fordern, aber laut Statement des LAFC hat sich aus der Fan-Szene niemand bemüssigt gefühlt, auf Gesprächsangebote der amerikanischen Eigner zu antworten. Es ist ein Unterschied, Kritik zu üben und alles weiter in die Tonne zu treten, oder für Lösungen mit Gesicht und Person hinzustehen. Ihr müsst endlich kapieren, dass Ihr ein Fussballspiel besucht, der Ausgang davon offen ist, und die Spieler ohne den Support und unter Eurem Druck ganz sicher nicht besser performen.

Es ist wirklich Zeit, dass die Clubführungen hinstehen und jegliche Ausschreitungen verdammen, in unmissverständlichen Worten. Denn die Zustände werden immer schlimmer. Wenn sich Jungen und Mädchen nicht mehr getrauen, mit einem GC- oder FCZ-Leibchen in der Stadt herum zu laufen, weil sie fürchten, von Anhängern des anderen Clubs angegriffen zu werden, dann ist das eine Entwicklung, welche vielleicht nicht so leicht gestoppt werden kann, weil heute alles übertrieben wird, aber hinstehen, verdammt nochmal, und damit zu drohen, den Bettel selber hinzuschmeissen, das wäre vielleicht manchmal die richtige, weil auch schockierende Antwort. LAFC hat nun mit Worten in diese Richtung reagiert. Ausgang offen.

Derweil versuchen auf dem Rasen junge Menschen am Rand des Erwachsenwerdens für die eigene Mannschaft und einen Club, den sie gar nicht verstehen können, unter immer grösserem Druck den Abstieg zu verhindern. Keiner der Kurvengänger möchte unter solchen Bedingungen arbeiten. Gut, vielleicht hat er oder sie gerade keinen Job und ganz sicher ist er schlechter bezahlt, aber in der Situation macht der Lohn die Sache für die Spieler nicht einfacher.

Kriegt Euch endlich ein, unterstützt Eure Mannschaft – und feiert im Anschluss den Erfolg – UND RESPEKTIERT DIE NIEDERLAGE. Das gehört zum Sport und ist damit auch ein Anspruch, dem IHR gerecht werden müsst.

Morgen Abend ist Derby… Ich habe diesen Text ganz bewusst zuvor geschrieben… der FCZ hat seine Fanszene nicht wirklich viel besser im Griff – Ausgang morgen also völlig offen… Aber die Verantwortung liebt bei jedem Einzelnen von Euch. Heute, morgen, jedes Mal.

Werdet selbst erwachsen und übernehmt Verantwortung.

Kommentare

  1. martin zeltner

    Herzlichen Dank für Eure tollen Artikel (okay, habe erst 2 gelesen, freue mich jetzt auf die erste WM), per Zufall erst heute die webside entdeckt, bitte weiter so. Mit freundlichem Gruss.

  2. Sechser (Autor)

    Lieber Martin
    Danke für Dein schönes Kompliment!
    Viel Vergnügen beim weiteren Stöbern!
    Weitererzählen und -geben freut uns natürlich auch…

Kommentare

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