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Justin Engel bereit für die grosse Bühne? (1)

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Dieser junge Mann gilt vielen Tennisinteressierten als die grösste Zukunftshoffnung im deutschen Männertennis. Justin Engel hat dabei einen etwas anderen Weg eingeschlagen als viele seiner Alterskollegen.

Herkunft

Der am 1. Oktober 2007 geborene Nürnberger verbrachte einige frühe Jahre bei seinen Grosseltern in der Republik Moldau, wodurch er heute neben Deutsch und Englisch auch Rumänisch spricht und Russisch versteht. Schon mit drei Jahren beginnt Justin mit dem Tennis, betreibt anfänglich daneben auch Kickboxen, bestreitet dann mit zehn erste Tennis-Turniere. Auch bei ihm spielt der Vater als Trainer eine zentrale Rolle. Und Horst Engel hat einen Leistungsausweis: Er brachte Anca Barna unter die Top 50 der Welt. Mit seinem Sohn soll es noch weiter nach vorn gehen.

Frühe Einstiege in die ATP-Tour – mit Erfolgen

14jährig spielt Justin auf der ITF Junior Tour und erreicht als beste Junioren-Platzierung Rang 56 in der Weltrangliste. Wie fast alle Junioren spielt er regelmässig auch Doppel, gewinnt zwei Einzel- und drei Doppeltitel.

Anders als viele Gleichaltrige will er schon 2023 auf Profiturnieren bestehen und sammelt zunächst, ITF- und Future-Erfahrung – und gewinnt im Mai 2023 als 16jähriger in Villach sein erstes ITF-Turnier. Bis anfang 2025 kommen fünf weitere Turniersiege auf gleicher Stufe hinzu – bemerkenswert dabei ist, dass Engel jedes Mal, wenn er den Final erreicht, diesen auch gewinnt. Mitten in dieser regelmässigen, schnellen Entwicklung gibt es ein besonderes Highlight, als Engel im Juli 2024 in seinem ersten Match in einem Challenger-Hauptfeld den topgesetzten Franzosen Herbert, damalige ATP-Nr. 138, schlägt. Darauf folgt das Debut auf ATP-Stufe im Oktober 2024 bei den Almaty Open per Wildcard, wo er Coleman Wong in zwei Sätzen bezwingt. Seit Carlos Alcaraz hat niemand Jüngeres ein Match auf der ATP-Tour gewonnen.
Auf Challenger-Stufe gewinnt Justin Engel seinen ersten Titel im Herbst 2025 beim Ladies & Gents Cup in Hamburg.

Die Bilanz in Finals und bei ersten Auftritten ist bemerkenswert.

Justin Engel scheint sehr früh sehr kompetitiv zu sein. Sowohl in Finalspielen wie in seinen ersten Partien auf jeweils wieder höherer Stufe ist er erfolgreich.

Und das gilt auch für den Davis-Cup, wo er 2025 beim Debut als jüngstes Teammitglied nach Boris Becker sein erstes Einzel gegen den Japaner Rei Sakamoto gewinnt.

Sein Lauf 2025: Er ist der zweitjüngste Spieler seit 1990, der auf allen drei Belägen (Hard, Sand, Rasen) mindestens ein ATP‑Match gewinnt, der jüngste Viertelfinalist in der Geschichte des Turniers in Stuttgart und der jüngste Viertelfinalist bei einem Rasenturnier seit Boris Becker (der allerdings dann gleich in Wimbledon 1985).

Seine bisherige ATP‑Bilanz liegt bei 6:9 Siegen auf Tour‑Ebene, mit einem Karriere‑Hoch von Rang 180 Anfang Januar 2026.

Die Delle? Zumindest eine Enttäuschung

Engel rückt Ende 2025 ins Teilnehmerfeld der Next Gen Finals nach – scheitert dort aber in den Gruppenspielen und kassiert gegen seine nicht viel älteren Kontrahenten drei Niederlagen in Folge. Es ist eine Delle und ein Hinweis, dass kein Lauf in einer Tenniskarriere ein Spaziergang ist. Es ist sicher interessant, wie er damit weiter umgeht.

Bei seinen zwei Teilnahmen an Qualifikationsturnieren für Grand Slams scheitert er an den US Open 2025 und den Australian Open 2026 jeweils schon in der ersten von drei Runden.

Justin Engel liebt den grossen Auftritt, entsprechende Bühnen scheinen ihn zu beflügeln und er hat ein gewisses Star-Potenzial. Es ist aber noch ein Weg zu gehen, bis diese Bühnen ihm regelmässig offen stehen.

Betreuerstab mit Expertise (?)

Die aktuelle ATP Nr. 190 hat seit Oktober 2024 seinen Betreuer-Stab erweitert und mit dem langjährigen Top-50-Spieler Philipp Kohlschreiber einen erfahrenen Profi als Tour-Coach verpflichtet, der ihn an rund hundert Tagen pro Jahr am Stützpunkt in Oberhaching trainiert und auf der Tour begleitet. Für Kohlschreiber ein Glücksfall, gleich mit einem „Juwel“ arbeiten zu können. Neben Vater Horst Engel und „Kohli“ stossen punktuell weitere Fachleute wie Alexander Waske und seit Anfang 2026 Dieter Kindlmann zum erweiterten Trainer- und Betreuerstab hinzu. Es wäre bestimmt interessant, Kindlmann nach seinen Eindrücken im Vergleich mit Dominic Stricker zu fragen…

Bis jetzt gibt es zumindest einen objektiven Unterschied, der nicht schwer festzustellen ist:
Justin Engel ist bisher – wie auch unsere anderen deutschen Tennishoffnungen, von gravierenden Verletzungen verschont geblieben.

Sechs Tenniskarrieren

Name geb ATP
Leandro Riedi 2002 168
Justin Engel 2007 190
Dominic Stricker 2002 336
Henry Bernet 2007 504
Max Schönhaus 2007 532
Niels McDonald 2008 1035

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