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gewinnen und verlieren

Das Zürcher Elend

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Zürich ist eine verwöhnte Stadt. Das Freizeitangebot ist hier riesig. Ob es auch eine sportliche Stadt ist? In jedem Fall ist es keine Fussballstadt. Die Stadtzürcher Clubs treiben ihre Fans zur Verzweiflung.

Im Eishockey top, im Fussball ein Flop

Während die Swisslife Arena als Eishockeystadion den ZSC Lions modernste Rahmenbedingungen bietet, ist das berühmte Leichtathletikstadion Letzigrund architektonisch schön, aber für Fussball die absolut falsche, zugige Bühne. Das Projekt eines neuen Stadions auf dem Hardturm-Areal für GC UND den FCZ, ist längst aufgegleist und an der Urne vom Stimmvolk mehrfach bewilligt worden, doch die immer wieder neuen Einsprachen von gut zwei Dutzend Nachbarn torpedieren das Projekt, so dass den beiden Clubs weiter je etwa fünf Millionen Franken Defizit pro Saison aus dem strukturellen Defizit erwachsen: Die Clubs sind im Letzigrund Mieter der Stadt und damit auch nicht Profiteure der Serviceleistungen rund um den Matchbesuch – von der Bratwurst bis zur Logen(unter)miete.

Der Teufelskreis

Womit wir zur Frage kommen, was denn was mehr beschädigt? Die fehlende Aussicht auf ein neues Stadion ist nicht leistungsfördernd, und die miesen Leistungen sind keine Propaganda für den Stadionbau.

Und so haben die beiden so unterschiedlichen Zürcher Fussballclubs mannigfaltige ähnliche Probleme: Sie sind gerade richtig schlecht. Sie machen ähnliche Defizite ohne wirkliche Aussicht auf sportliche und strukturelle Besserung. Sie sind auf die Zuschüsse ihrer Besitzer angewiesen. Da der noble Schweizer Rekordmeister Grasshoppers Club Zürich, dort der Stadtzürcher Traditionsverein FCZ – beide mit einer langen Geschichte und früheren Erfolgen und einer aktuellen Misere.

GC hat sich noch nicht gefunden

GC hat unter den neuen amerikanischen Besitzern mit dem Sportdirektor Alain Sutter siebzehn Spieler aussortiert und fünfzehn neue geholt. Nachhaltig soll das Schaffen werden, mit einheitlicher Spielphilosophie und der Spielerentwicklung durch den verständigen Trainer Scheiblehner. Der hatte von allen Akteuren die beste Aussenwirkung, trat ruhig auf und gefasst, fauchte nicht mal die Schiedsrichter an bei Fehlentscheiden, sondern lobte sie gar, wenn sie begründet gegen die eigene Mannschaft entschieden.

Der Mann hat das Format, das er der Mannschaft nicht geben kann. Die besten Spieler, welche wirklich performen, sind Leihspieler aus dem Talentschuppen von Bayern München, entsprechend jung und Ende Saison wieder weg. Ein Sieg aus den letzten zwölf Spielen, gute Phasen in jedem Spiel aber keine guten Phasen in der Meisterschaft – nun ist der Trainer gegangen worden. Alain Sutter tut das leid und man glaubt es ihm. Das Bemühen ist redlich – eine Mannschaft hat sich noch nicht gebildet. Ausgang offen. Platz 11 würde ein Duell um den Klassenerhalt gegen den FC Vaduz oder den FC Aarau bedeuten… bei acht ausstehenden Runden und sieben Punkten Rückstand auf Platz 10 ist das sehr wahrscheinlich…

Der FCZ hat neben dem Platz noch mehr Baustellen als auf dem Feld

… wäre da nicht der FCZ auf diesem zehnten Platz, der in letzter Zeit, und das ist eine lange Zeit, genau so selten gewonnen hat wie der Rivale GC.

Dabei wird der FCZ nie langweilig. Zumindest nicht neben dem Platz. Das Experiment mit einem Supersportchef mit Extrakompetenzen ist an dessen katastrophaler Menschenführung und der entsprechenden Kommunikation gescheitert, und irgendwie, so mag man glauben, hat das Ehepaar Canepa den Albtraum in der Winterpause vielleicht noch gerade rechtzeitig beendet.

Aber die Resultate sind nicht besser geworden. Den Trainerwechsel hat der FCZ schon viel früher vollzogen. Hediger soll ein Trainertalent sein, lese ich, aber ich sehe davon nichts auf dem Platz. Die Kommunikation ist besser, keine Frage, aber sie wirkt angesichts der schlechten Resultate zunehmend hilflos. Mit Sportchef Malenovic haben verschiedene Spieler den Verein verlassen. Leistungsträger, die ein wenig Geld in die Kasse gebracht haben. Und in der Führungsriege bemüht sich das Ehepaar Canepa darum, eine Nachfolgeregelung für ihren Clubbesitz zu finden. Dabei gibt es erste Schritte – und ich bin als FCZ-Fan versucht, zu hoffen, dass bald etwas unterschrieben ist, bevor… denn auf dem Platz gibt es keine Identifikationsfiguren. Die Spieler zeigen Einsatz, aber sie gewinnen keine Sicherheit, und der Club rutscht durch die Saison, wie wenn die Spieler immer wieder die falschen Stollen montiert hätten. Späte Gegentore und rote Karten erzählen das immer wieder ähnliche Lied. Sieben Punkte Reserve auf GC für acht Runden sind keine Beruhigungspille mehr.

Oh Fortuna, lass uns irgendwie durch die Saison kommen und beide erstklassig bleiben, und dann zeige uns doch bitte die Göttin, welche dem Stadionbau einen Schubs geben kann – und irgendwann wird es besser werden. Und dabei hoffe ich inständig, dass die Verantwortlichen ein wenig konkreter darauf hinwirken und mehr Durchblick haben als ich, aber sicher bin ich mir nicht…

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