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Ein Testspiel für die Tonne?

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Ich ärgere mich noch immer über das gestrige Testspiel der Schweizer Nationalmannschaft in Norwegen. Und ich bin mir ziemlich sicher, vielen anderen geht es auch so – angefangen bei allen direkt Beteiligten, die auf diesem Acker versuchten, Fussball zu spielen.

Der Rasen ist keiner

Die Platzverhältnisse waren eine Katastrophe. Ich bin nicht dahinter gekommen, ob das norwegischer Standard per Ende März ist, aber in jedem Fall waren die Bedingungen komplett ungeeignet, um die Verhältnisse im Sommer in Übersee zu testen. Yakin hat wieder viel gepröbelt, aber jede gewünschte Rückmeldung, egal ob in der Beobachtung des Spiels mit oder gegen den Ball, ist wahrscheinlich von begrenztem Wert. Das 0:0 gibt exakt die Langeweile wieder, die jeden beschlichen haben dürfte, der sich das angesehen hat.

Testspiele sind nicht gratis

Ich frage mich auch, ob sich die Verbandsverantwortlichen aller Länder jeweils Gedanken dazu machen, wenn sie für solche Testkicks die Ticketpreise festlegen? Das Geld, das in Basel der Schweizer Fussballverband von den treuen Fans verlangte, war in jedem Fall happig – und auch wenn wir da über weite Strecken mit einem schnellen, intensiven Spiel verwöhnt wurden, so liegt die Normalität eher dort, wo sie gestern auch in Oslo war: Die vielen Wechsel in der Besetzung und der Taktik unterbrachen den Spielfluss, und wenn mal eine Aktion vielversprechend war, scheiterte man an den aufgerissenen Rasenschollen. Den Spielern war direkt anzusehen, wie frustriert sie über die Verhältnisse waren. Die Bindung untereinander fehlte genau so wie der Ball einfach viel zu oft ein Kobold war, der nicht gebändigt werden wollte.

Die moderaten Experten

Benjamin Huggel ist der Hofexperte für Fussball in den SRF-Liveübertragungen. Er hat doch tatsächlich gemeint, auf die Frage, welche Mannschaft durch die Verhältnisse benachteiligt werden würde, dass der Platz für beide Mannschaften ja der gleiche sei. Um dann während des Spiels festzustellen, dass die Mannschaft in Ballbesitz für kreative Spielzüge benachteiligt wäre. Nun, dass die Schweiz gegen Norwegen das Spiel würde machen müssen (und wollen), darauf hätte man auch vor Beginn schon kommen können. Der Platzqualität gab er auf der 10er-Skala eine vier – lieber Herr Huggel, das war höchstens eine zwei.

Yakin hat es trotzdem gefallen

Dass Trainer ein Spiel anders sehen als die meisten Zuschauer, ist klar. Und dass unser Nationaltrainer auch gerne ein Zocker ist, auch. Seit dem verhängnisvollen Experiment beim 1:6 gegen Portugal aber hat er sich nicht mehr wirklich verspekuliert. Und die Mannschaft scheint mitzuziehen und sich durch die ständig neuen Laborversuche – noch – nicht verunsichern zu lassen. Yakin will auf jeden Fall wichtige Erkenntnisse gewonnen haben – und wir lassen uns dann einfach überraschen. Die Fans, die im Sommer über den Teich fliegen und all die immensen Kosten auf ich nehmen, um die Schweiz live kicken zu sehen, werden dann die Spieler auf dem Rasen sehen, welche hoffentlich die beste Mannschaft bilden. Das Geld, das die Supporter dafür aufbringen müssen, wird nochmals ganz neuen Wucher darstellen – und irgendwie würde man sich wünschen, dass die Amis so richtig auf die Schnauze fallen mit ihrer Abzocke (schon wieder Zocke, aber die ist nun wirklich nicht mit Murat Yakin zu vergleichen). Die Vorstellung, dass die Stadien halb leer bleiben, ist aber auch nicht schön. Ein guter Rasen ändert daran nichts.

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