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Die goldene Silbermedaille der Maria Andrejczyk

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Können wir Philanthropie noch wertschätzen? Oder verdächtigen wir jede Form von öffentlich werdender Selbstlosigkeit als Marketingaktion? Beobachtungen rund um eine Aktion der polnischen Speerwerferin Maria Andrejczyk, Olympia-Silbermedaillengewinnerin in Tokio 2021.

Die Geschichte

Als Maria Andrejczyk nach ihrem Erfolg vom Spendenaufruf für einen schwer kranken achtmonatigen Jungen erfährt, entschliesst sie sich spontan dazu, ihre Medaille zu versteigern. Die Versteigerung ist erfolgreich, bringt mehr als 100’000 Euro ein und trägt dazu bei, dass das Baby in den USA operiert werden kann. Ersteigert wird die Medaille von der polnischen Supermarktkette Żabka, welche beschliesst, der Athletin die Medaille zurück zu geben.
Die Operation verläuft erfolgreich, aber fünf Monate später stirbt der Kleine am 1. März 2022 dennoch.

Was wir aus der Geschichte machen – oder was sie mit uns macht

Die Geschichte ist gerade im Netz wieder aufgebracht worden – und der Blick in die Kommentare hat mich einmal mehr nachdenklich gemacht. Es zeigen sich darin alle Facetten unserer heutigen asozialen Welt, in welcher jedes erzählte Ereignis in alle Richtungen analysiert und hinterfragt wird. Das beginnt damit, dass Leute kritisieren, dass der Żabka-Konzern mit tausenden von Filialen das Geld stattdessen doch einfach stillschweigend nobel der Familie hätte zur Verfügung stellen können, statt sein Image damit medienwirksam aufzupolieren. Dazu melden sich ausführlich diejenigen, welche den Staat in der Verantwortung sehen und das Gesundheitssystem anprangern, das der Familie die notwendige Unterstützung nicht bietet. Und dann sind da noch die, welche nach dem Tod des Kindes laut darüber nachdenken, wie sinnlos es ganz sicher gewesen ist, das Baby mit der schlussendlich nicht zielführenden Operation zu quälen, ohne dass jemand wirklich weiss, wie diese kurze Lebenszeit für das Geschöpf wirklich verlaufen ist. Und für die Eltern.

Was doch zu wünschen wäre

Wohl nicht nur ich würde mir wünschen, wir könnten diese Geschichte einfach so annehmen und uns von ihr inspirieren lassen:

Eine erfolgreiche Sportlerin, die einen seltenen und besonderen Erfolg feiert, entschliesst sich, die Medaille, die all diesen Wert verkörpert, herzugeben, weil die Trophäe nichts ist im Vergleich mit dem, was sie mit dem Liebhaber-Gegenwert Gutes bewirken kann. Und die Menschen, welche dafür auch tatsächlich Geld geboten haben, erkennen an, welch menschlich wertvolle Geste diese Gabe war – und handeln entsprechend. Ganz viel Emotion, ganz viel Empathie führt zu einem besonderen Verhalten. Wir entscheiden, was wir daraus machen. Für die Eltern aber, die ihr Kind behandeln lassen konnten, ist der Wert nicht in Geld zu messen. Eine Heldin des Sports hat einen kleinen Kämpfer zum Helden gemacht und auf ein Schicksal hingewiesen, das doch einfach berühren soll und darf.

Viel zu oft zerreden und verschreiben wir so viele Ereignisse, die einfach für sich stehen bleiben und uns ermahnen könnten, im eigenen Glück das Herz für andere zu öffnen oder offen zu halten.

Die Fakten der Geschichte zum Nachlesen

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