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Colin Muller - Ein Gewinn fürs Schweizer Eishockey

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Colin Muller tritt als Coach der Frauen-Eishockeynationalmannschaft zurück. Zeit, seine Anliegen und damit seinen Antrieb nochmals zu betonen und danke zu sagen. Dieser bescheidene, bodenständige Mensch hat sehr viel fürs ganze Schweizer Eishockey getan.

Der Weg in die Schweiz

Mullers Grosseltern waren Strassenprediger und flüchteten aus der Schweiz nach Kanada. Sie konnten kaum Englisch, getrauten sich aber auch nicht, Deutsch zu reden. Enkel Colin hatte mit der Schweiz nichts zu tun, aber sein Vater las immer das „Swiss Journal“. Darin las er eine Annonce, in der ein Spielervermittler kanadische Eishockeyspieler mit Schweizer Vorfahren suchte. So landete er nach einem Probetraining 1982 in Lugano. Unter John Slettvoll trainierte er fünf Stunden am Tag. Kein Problem. Er war achtzehn, konnte kein Italienisch und hatte ja sonst nichts zu tun. Wieder war ein Muller fremd in einem fremden Land. Aber er wurde zum Glücksfall für Viele.

Die Spielerkarriere und der Sprung ins Trainermetier

Colin Muller hat 544 Spiele in der Nationalliga A bestritten und wurde mit dem EV Zug Schweizer Meister. Sehr passend ist die Anekdote, die beschreibt, wie er zu seinem ersten Trainerjob kam:

1999 zog er mit seinen Teamkollegen um die Häuser, um seinen Geburtstag zu feiern. Dann hiess es plötzlich, er müsse den Trainerjob übernehmen, obwohl er einer der besten Skorer im Team war. Als Erstes habe er ungefähr zehnmal Sean Simpson aus einer PTT-Filiale angerufen, der damals in München arbeitete, bis er ihn endlich nach langem Warten erreichte: „Er musste mir doch Übungen schicken. Ich habe ihn dann endlich erreicht und ihm gesagt, er solle mir vierzig Trainingsübungen faxen. Das hat er dann gemacht.“

Chef Simpson, Assistent Muller

Schlecht lief das gar nicht. Aber bald waren die Beiden auch an der Bande und auf dem Trainingseis ein Team, Simpson als Cheftrainer, Muller als sein Assistent. Mit ihnen gewann die Schweizer Herrennationalmannschaft in zwanzig „magischen Tagen“ 2013 zum ersten Mal WM-Silber. Und der ZSC die Champions League. Sie wurden zusammen in Jaroslawl nach neun Spielen entlassen, und später auch in Mannheim. Muller kennt alle Facetten des Jobs.

Job aus Freundschaft – und Berufung

Der Job als Assistent der Frauennationalmannschaft war daraufhin ein spontaner Freundschaftsdienst – doch aus der Notlage des Verbandes wurde ein Glücksgriff. Muller hat ein Menschenbild, das vom Respekt für jedermann und -frau geprägt ist, ohne jeden Dünkel und falsches Standesbewusstsein. Nun ist er der womöglich einzige Coach, der an der Bande sowohl mit den Frauen wie den Männern an einem Weltturnier eine Medaille gewonnen hat. Und er stellt auch jetzt glaubhaft und konsequent das Team in den Vordergrund und führt uns allen vor, was die Frauen leisten müssen, um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können:

„Man darf schon sagen: Sie leisten eher mehr als die Männer, bestimmt nicht weniger. Es gibt Spielerinnen, die arbeiten von 8 bis 17 Uhr, dann fahren sie eine Stunde ins Training, trainieren zwei Stunden, sind kurz vor Mitternacht zu Hause und am nächsten Tag machen sie das Gleiche erneut. Praktisch ohne Bezahlung. Und die meisten müssen fast alle ihre Ferientage opfern, um an die WM und die anderen Länderspiele reisen zu können. Man kann mich ziemlich wütend machen, wenn man diesen Effort kleinredet oder belächelt.“

Trump macht einen Witz, und hat die männlichen Lacher auf seiner Seite

Entsprechend ärgerte sich Muller über das amerikanische Männerteam, das wie die Frauen Olympiagold gewonnen hatte. Präsident Donald Trump schaltet sich per Videocall in die Kabine, gratuliert – und lädt ein zum Auftritt anlässlich seiner baldigen Rede zur Lage der Nation im Parlament. Dann witzelt er, er müsse «wohl auch das Frauenteam einladen», sonst drohe ihm Ärger. Die Spieler lachen, niemand widerspricht, und aus einem scheinbar lockeren Spruch wird ein Moment, in dem der Erfolg der Frauen als lästige Pflicht markiert wird. Genau diese Mischung aus Lacher und Wegschauen bezeichnet Colin Muller als «unwürdig», weil sie den Respekt für die Leistung der Spielerinnen untergräbt. Dabei war der Ton aus der Kabine wohl sehr ehrlich – wenn Männer zusammenhocken, zumal in der euphorisierten Testosteronblase des eben erreichten Erfolgs, ist der Blick auf die Frauen, die einen Männersport betreiben, ein entsprechender. Erklärungen und Richtigstellungen zuhauf gab es im Nachhinein. Doch der Schaden ist nicht angerichtet – es ist einfach ein Manko, das noch lange nicht behoben ist.

Colin Muller weiss das sehr wohl – er hat wohl allzu häufig selbst süffige Kommentare aufgeschnappt, die seinen Entscheid, die Frauen zu trainieren, entsprechend abwerteten. Seine Reaktion auf die US-Eishockeymänner war eindeutig. Er verteidigt das Frauenhockey vehement, und sagt, es mache ihn wütend, wenn man den Effort der Frauen kleinrede oder belächle.

Hier wird auch gelacht, Aber vor Freude ob dieser tollen Karriere eines bescheidenen, aber fachlich und sozial hoch kompetenten Menschen und seiner Frauen, die als Team eine Inspiration sind. Und wenn wir uns jetzt mit sonnen im bronzenen Glanz von Olympia, dann ist mindestens im Moment das Vorurteil mal weg, bis es wieder kommt, wenn es um Ausrüstung und Platz und Engagement geht. Es wird noch viele Colin Mullers brauchen, bis die Spitze der Frauen auch in der Schweiz zumindest Eishockey spielen kann, ohne draufzuzahlen.

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Quelle u.a.: NZZ-Interview
und Verweis: Teamgeist – Fraueneishockey als Inspiration

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