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Teamgeist - Fraueneishockey als Inspiration

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Es ist nicht zum ersten Mal, dass ich Fraueneishockey gesehen habe. Aber diesmal bin ich länger hängen geblieben. Und dann noch ein wenig länger. Weil das Schweizer Team eben wunderbare Geschichten geschrieben und einen besonderen Teamgeist gezeigt hat. Und das Niveau steigt von Jahr zu Jahr.

Persönliche Eindrücke vom Olympiaturnier

Das entscheidende Tor zu Bronze von Alina Müller auf Pass von Wey in der Verlängerung gegen Schweden z.B. war technisch ganz fein gemacht. Müller war als 15jährige 2014 die Torschützin zum 4:2 im Bronzespiel, und sie hat zwölf Jahre später wieder den letzten Unterschied ausgemacht.

Das Team wirkt sehr homogen, mit vielen besonderen Charakteren, und sehr reflektiert – wobei Captain Lara Stalder voraus geht und auch klar die Mission formuliert, wie sich der Sport und das Spiel weiter entwickeln soll. Wie bei Lara Wälti, der Captain des Frauenfussballnationalteams, ist zu spüren, dass diese Führungsfiguren die Entwicklung der ganzen Sportart schultern wollen, nicht müssen. Da ist unheimlich viel Überzeugung und Liebe zum Sport zu spüren, und das wirkt inspirierend. Das Team hat nach dem knappen Auftaktsieg gegen Tschechien nicht an die Eröffnungsfeier gehen dürfen, weil sie wegen einem Norovirus-Fall in Quarantäne gesetzt wurden. Es hat sich durchgekämpft und am Schluss belohnt – und auch ihrem Trainer Colin Muller ein tolles Abschiedsgeschenk gemacht.

Was ist an Entwicklung möglich?

Die beste Torhüterin des Turniers, Andrea Brändli, spielt in Schweden. Alina Müller, auch sie ins Allstar-Team bei Olympia gewählt und Schweizer Fahnenträgerin an der Schlussfeier, spielt in der PWHL in Nordamerika bei Boston eine wichtige Rolle. In dieser jungen nordamerikanischen Profiliga spielen sechs Teams nach ähnlichem Muster wie in der NHL um die Meisterschaft – in gut gefüllten Stadien – mit Profiverträgen für alle Spielerinnen. Wie im Basketball so im Eishockey – die Nord-Amerikaner machen es vor – und einiges wäre sehr wohl abzuschauen.

Noch längst nicht alle etablierten Vereine in der Schweiz haben das Potenzial des Fraueneishockeys erkannt. Man scheut die Belastungen der Infrastruktur mehr als die Möglichkeiten, Eishockey noch breiter populär zu machen. Und natürlich gibt es die Einschätzung, dass das geringere Tempo und weniger Physis der Attraktivität schadet. Aber da spielt viel Voreingenommenheit mit hinein. Am Ende braucht es für ein packendes Spiel und ein solches Turnier vor allem eine gewisse Ausgeglichenheit. Noch immer – siehe Strukturen mit der Profiliga – sind die USA und Kanada deutlich voraus – aber der Unterschied zu den anderen Nationen wird kleiner. Wenn es gelingt, den Spirit, den die Frauen hier in Milano gezeigt haben, weiter in die Clubs zu tragen, dann lässt sich da weiter was aufbauen.

Regeln weiter angleichen?

Der „Eismeister Zaugg“ hat im Onlineportal Watson angeregt, die Regeln weiter anzupassen und auch Checks im Fraueneishockey zuzulassen. Dazu kann ich sagen: Es gibt auch die Beispiele aus anderen Kontaktsportarten, wie Handball. Dort ist der einzige Unterschied zu den Männern, dass mit einer kleineren Ballgrösse gespielt wird. Ansonsten? Alles gleich. Und beim Handball wie beim Fussball dürfte der Kreis der Fans, die positiv überrascht sind, grösser werden – und alle müssen gar nicht überzeugt werden. Die Frauen werden ihren Weg gehen, und wenn die Fankultur im Frauenfussball eine andere bleibt als bei den Männern, dann ist mir das sehr willkommen… Im Eishockey und Handball ist sie geschlechterübergreifend jetzt schon überragend.

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