Skibergsteigen - echt jetzt?
Olympia hat wieder mal eine neue Disziplin aufgenommen. In Bormio sind sie mit Fellen an den Skiern den Hügel hoch gespurtet, mit Skiern auf dem Rücken über eine Treppe gehetzt, um oben angekommen sich die Felle von den Belägen zu reissen und runter zu kurven. Der oder die Schnellsten gewinnen oder kommen eine Runde weiter. Das immerhin ist verständlich.
Daran kommt mir Vieles ziemlich spanisch vor
„Felle“ an Skibelägen ermöglichen uns das Tourenskifahren: Lange Aufstiege in der verschneiten Natur. Wir kommen innerlich runter, lassen den Alltag hinter uns. Slow down ist das Motto. Oben angekommen geniesst man die Aussicht – eine erste Belohnung der auf sich genommenen Mühe. Und dann folgt die wunderbare Abfahrt, gerne im stiebenden Pulverschnee. Ein Tagesereignis. Fernab des Lärms unserer hektischen Zivilisation.
Nicht so bei der Olympiade in Bormio. Da ist das ein Sprint, ergänzt durch eine Treppe oder treppenähnliche Passage, die zu Fuss bewältigt wird, und oben ist die Sauerstoffschuld so gross, dass sich der Eine oder die Andere -koordinativ überfordert – beim Felle abziehen oder Skier anschnallen verheddert. Bei der Abfahrt sehen sie ähnlich aus wie früher die Teilnehmer im Riesenslalom aus exotischen Ländern. Das komische Rucksäcklein und die vorn in den Skianzug gestopften Felle machen den Auftritt auch nicht ästhetischer… Mir scheint der Mix der notwendigen Skills für diese Disziplin noch ziemlich unausgegoren. Die Rennen werden eher beim Hochhecheln entschieden als beim Runterbrettern. Um im zweiten Teil den Unterschied zu machen, ist die Strecke auch schlicht zu kurz. Nach gefühlt drei Minuten ist der ganze Spuk vorbei.
Die ersten Gewinner
Zu den ersten olympischen Medaillengewinnern in dieser neuen Wintersportart gehören Wettkämpfer und Athletinnen aus Frankreich, der Schweiz und Spanien. Und Nikita Filippow hat als „Individueller neutraler Athlet“ eine Silbermedaille gewonnen. Nicht teilgenommen hat Rémi Bonnet, ein weiterer Schweizer Crack. Dieser Sprint habe für ihn wenig mit dem eigentlichen Sinn und Geist dieser Sportart zu tun.
Zur Wahrheit gehört auch: Den erstaunlich vielen Zuschauern hat es offenbar gefallen. Die Stimmung war super.
Die Chancen, dass die Disziplin olympisch bleibt, sind gut. Die nächsten Olympischen Winterspiele finden in Frankreich statt, und der Ausrichter hat bei der Entscheidung ein Mitspracherecht.
Kategorien: Wintersport
Kommentare
Giovanni Bläsi #
Zu dieser neuen olympischen Disziplin kann man gut geteilter Meinung sein und hat sicher auch Verbesserungspotential. Interessant ist in dieser Disziplin der Teamwettkampf. Der war spannend.
Wenn man Sportarten in Frage stellen sollte, dann würde ich bei den Doppelrodlern den Anfang machen.
Das ganze natürlich mit einem grossen 😉.
Sechser (Autor) #
Für mich ist das Format einfach viel zu weit weg vom Tourenskifahren.
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