Alle vier Jahre ist die Vierte die grösste Verliererin
Die Olympischen Spiele sind heute schon fast ein Anachronismus: In einer Welt, die sich immer neue zusätzliche Wettbewerbe erfindet, weil das Rad sich immer schneller zu drehen hat, gibt es in jeder olympischen Sportart nur alle vier Jahre einen Olympiasieger. Der Vierjahreszyklus macht die Wettkämpfe besonders einzigartig.
Der olympische Gedanke wandelt sich
Mitmachen ist alles? Das gilt schon lange nicht mehr. Die Landesverbände selektionieren nach dem erwarteten Leistungsvermögen. Wer keine Chance aufs Treppchen hat, etwas überspitzt ausgedrückt, wird gar nicht selektioniert. Umgekehrt sorgt das olympische Komitee in manchen Sportarten mit rigiden Kontingenten in den Spitzennationen für eine zusätzliche Verschärfung dieses Umstands. In der Männerabfahrt waren trotzdem – auf der höchst schwierigen Stelvio – gerade noch gut dreissig Fahrer am Start. Exoten wagen sich kaum mehr überhaupt auf die Pisten. Vorbei die Zeiten, als sie sich auf der Skipiste teilweise gegenseitig überholten.
Den vierten Platz will niemand
Die Vierte ist die grösste Verliererin vom ganzen Rest. Diese Sichtweise wird immer gängiger, und die Athleten formulieren es selbst schon so. Das kann man bedauern. Aber ich merke auch bei mir, dass sich der Blick auf diese extreme Einstellung wandelt. Schlussendlich ist es Fakt. Neben den Medaillen haben die Konkurrentinnen kein Gesicht. Kaum jemand macht sich die Mühe, die Geschichte einer Olympiafünften nachzuerzählen. Dabei wäre ihre Geschichte womöglich noch viel beeindruckender als jene der Siegerin (ich hoffe, dass es auf diesen Seiten dafür immer wieder Platz gibt). Der Blick von aussen auf ein Ergebnis und die Person verrät mehr über uns Zuschauer als über den Menschen, der eine vielleicht viel grössere Leistung erbracht hat, als wir ahnen können.
Die Olympiasportart
Und dann gibt es die Sportarten, die ausserhalb der olympischen Spiele fast oder gar keine Medienpräsenz erreichen. Ein Judoka oder ein Fechter richtet seine ganze Karriere auf den Wettkampf alle vier Jahre aus. Sind die Spiele vorbei, taucht die Sportart wieder unter, es sei denn, sie hat eine Olympiasiegerin hervor gebracht. Das interessiert dann – für einen ewigen Moment – alle. Es ist, wie man so sagt, ein Leistungsausweis, den man auf die Visitenkarte drucken könnte, oder ins Instagram-Profil schreiben, ohne sich damit lächerlich zu machen.
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