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Der FC Bayern München hat ist ein Problem

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Bayern München hat ein Problem: Die Bundesliga. Oder eben: Die Bundesliga hat ein Problem: Bayern München. Keine andere Meisterschaft in den Top5-Ligen ist so einseitig wie die deutsche. Und das wird zu einem Bumerang für den deutschen Rekordmeister. Je länger je mehr.

Uli Hoeneß ist wahrscheinlich der beste Fussballmanager Europas. Er hat die Bayern-Dominanz auch wirtschaftlich zementiert.

Als Uli anfing, wollte den Job wohl kaum einer haben, und kaum einer hat ihn sich zugetraut – und Hoeneß war er eigentlich auch nicht zuzutrauen. Der Club war wirtschaftlich in bedenklicher Schieflage, aber genau das, was das Alphatier Hoeneß nach der verletzungsbedingt gefühlt viel zu früh zu Ende gegangenen Spielerkarriere brauchte. Mit einem Engagement, mit dem Entscheidungen für oder gegen seinen FC Bayern München so persönlich genommen wurden wie der Entscheid, in eine Familie hinein zu heiraten, oder eben nicht, förderte er ein Selbstverständnis, in dem sich viele Spitzenkräfte des deutschen Fussballs miteinander verbanden. Daraus wurden Ansprüche, die sich immer mehr verfestigten:

Der deutsche Nationaltorwart hat für Bayern München zu spielen,

die deutsche Achse in der Nationalmannschaft kommt von den Bayern, ein Abgang eines deutschen Spielers zu einem europäischen Spitzenclub beweist seine fehlende Dankbarkeit. Umgekehrt können treue Seelen des Vereins auch in persönlichen Krisen auf den Verein und insbesondere Uli Hoeness zählen. Daraus leitet sich auch das Selbstbild ab, nur das Beste für den Verein zu wollen.

Nicht jeder Deal war und ist ein Ruhmesblatt

Welche Vorkehrungen Hoeneß traf, als die Privatsender die Rechte an der Bundesliga erwarben, um sich Extra-Anteile an der Vermarktung der Bundesliga zu sichern – daran erinnern und danach fragen will auch heute mancher nicht mehr. Die Durchsetzung der eh schon einseitigen wirtschaftlichen Stärkeverhältnisse ist im besten Fall clever und je länger je mehr auch gleichzeitig kontraproduktiv, weil sich alles auf den einen Verein im Land fokussiert und der Wettbewerb zunehmend zur Farce wird.

Die Medien treiben das weiter voran:

Es spielt gar keine Rolle, welche Gäste z.B. in den Sonntagstalk Doppelpass am Sonntagmorgen auf Sport1 eingeladen werden und welche sportliche Entscheidung um die Europacup-Plätze oder den Abstieg ansteht – das Hauptgesprächsthema ist immer der FC Bayern München. Der Serienmeister dominiert die Liga, hat den mit Abstand besten Kader, setzt hunderte von Millionen Euro mehr um als alle Konkurrenten und beherrscht nicht nur die Tabelle sondern auch alle Schlagzeilen.

Der Meistertitel ist mit dem FC Bayern im europäischen Vergleich noch leichter zu erringen als für die Spieler von PSG in Frankreich.

Die Folge ist, dass sich das allgemeine Niveau in der Bundesliga dem in Frankreich annähert, statt der Spitze in England und Spanien näher zu kommen: Es gibt viel zu wenig enge Spiele, der Rhythmus ist verglichen mit den Top-Ligen viel weniger intensiv, und die Herausforderung, die Intensität hochzufahren, wenn es international zählt, ist riesig. Paris Saint-Germain hat es letztes Jahr geschafft, Bayern schafft es vielleicht dieses Jahr. Aber die Tendenz ist klar: Die Ligen, in denen sich recht zuverlässig jedes Jahr mehrere Top-Teams um die Meisterschaft streiten, enteilen punkto Wettkampfhärte, Qualität und Können. So wendet sich jeder bayrische Reflex, der danach trachtet, jedes Toptalent Deutschlands für die eigenen Farben zu verpflichten, gegen den Verein selbst: Es gibt keinen Gegner, der den Kampf annehmen könnte. Vielleicht gibt es mal ein Leverkusen-Märchen – aber danach zerfällt das Konstrukt, weil den einzelnen Protagonisten anderswo noch höhere Weihen winken.

Das fällt dann auch Bayern auf die Füsse, wenn der Anreiz, mit Bayern deutscher Meister zu werden, für internationale Spitzenspieler nur noch einen beschränkten Wert haben kann…
Dieses Jahr wird national alles normal laufen, nach dem heutigen Sieg gegen Dortmund erst recht, und international könnte es Bayern tatsächlich krachen lassen. Und sonst? Und was, wenn auch dieses Jahr nicht?

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