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Manuel Fellers beeindruckender Kampf

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Die Art, wie Manuel Feller Slalom fährt, muss man einfach lieben. In einer Zeit, in welcher auch Slalomfahrer immer perfektere Maschinen sind, das Risiko also immer besser zu regulieren wissen, sieht man bei Feller, wie sehr er sich am Limit bewegt. Nun wird einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, wie sehr das auch abseits der Pisten gilt. Dies ist ein Versuch, seinen Kampf zu würdigen.

Zum Beginn der Saison ging die Nachricht fast unter.

Manuel Feller lässt die US-Tour zum Beginn der Weltcupsaison aus. Die Nachricht habe ich zur Kenntnis genommen. Der Rücken halt. Kaum ein Lauf von Feller, bei dem die Kommentatoren vor dem Start nicht auf seinen lädierten Rücken hinweisen. Seit Jahren. Ein Krankheitsbulletin, das ich jeweils einfach zur Kenntnis nehme. Er fährt ja. Und es ist faszinierend, wie leicht es bei ihm manchmal aussehen kann, was daraus werden kann, wenn die schnellen Schwünge sich aneinander reihen. Diese Geschmeidigkeit! Der Rücken kann nicht so schlimm sein.

Die Saison ist gar nicht so schlecht, Olympia beschert ihm eine Medaille

Diese Weltcupsaison ist durchzogen – aber sie hat auch ihre Höhepunkte: Sieg im Slalom in Kitzbühel! Daneben aber auch Aussetzer, wenig Konstanz. In den Interviews fällt mir auf, wie er hadert, zweifelt, selbst grössere Ansprüche hat, wie das ganze Team, das er nicht mitreissen kann. Dann Olympia, mit einer Silbermedaille in der Team-Kombi mit Vincent Kriechmayr. Ich vermute, dass gerade dieser erlösende Erfolg ein Innehalten zur Folge hat, wie so oft, wenn nach der grossen Anspannung und Fokussierung die Spannung abfällt. Und so meldet sich der Körper und der Kopf – unmissverständlich. Und Feller hört darauf.

Der ständige Kampf, die Suche nach dem Zugang zu Lösungen

Wer schwere Rückenbeschwerden hat, weiss, wie sehr das auf die Psyche schlägt. Und er weiss auch, wie schwierig es ist zu erklären, was geht oder plötzlich nicht mehr oder was doch wieder geht. Feller hat ständige Ischiasbeschwerden, hat mehrere Bandscheibenvorfälle verkraften müssen, hat seit einem Jahr Leistenprobleme und nun auch noch eine Schambeinentzündung. Alles schon mehr als Grund genug, kürzer zu treten und Genesung zu suchen. Und Feller erwähnt in seiner Erklärung zu seinem vorzeitigen Saisonabbruch auch mentale Probleme, und er lässt durchblicken, dass sie grundsätzlicherer Natur sind – und damit eine ganz eigene Herausforderung für ihn und sein Umfeld. Sie sind mehr als die Folge der körperlichen Rosskur, und er tut es selbst bemerkenswert offen kund:

„Im Laufe der Jahre habe ich einige psychische Probleme entwickelt, die für meine Familie im letzten Herbst besonders schwierig wurden. Anstatt in den USA Rennen zu fahren, entschied ich mich, mich aus dem Wettkampf zurückzuziehen und zu dieser Zeit abseits der Pisten an mir selbst zu arbeiten.“

Wir sollten mehr darüber reden

In den Medienmitteilungen wird zwar teilweise der Post von Feller auf seinem Instagram-Account abgebildet oder der Inhalt zusammengefasst, die mentale Herausforderung aber nicht gesondert erwähnt. Wahrscheinlich denkt man, dass das die angesagte Rücksichtnahme ist. Ich glaube das nicht: Noch immer sind Herausforderungen für die psychische Gesundheit für Spitzensportler mehr oder weniger tabu, denn gerade sie sollen ja unserem Bild von Ausnahmekönnern, die zudem ihr Potenzial punktgenau abrufen und zeigen können, entsprechen. Was dahinter für Kämpfe stecken – es wäre wünschenswert, es würde mehr darüber gesprochen und hingeschaut. Das machte es für die Sportler nicht schwerer, sondern leichter. Mit der klaren Benennung durch Manuel Feller selbst schaue ich nochmals anders auf seine Leistungen, und mein Respekt könnte nicht grösser sein.

Erdung ist keine Talentfrage

Wir alle haben unsere Talente und Fähigkeiten, und wir haben ein psychisch-mentales Gerüst, in dem wir diese fördern und anwenden können, um Erfolg zu haben, im Beruf und in unseren Beziehungen. Dabei ist es eben nicht zwingend so, dass der Begabte auch den besten Kopf für seine Talententfaltung hat. Selbstvertrauen aufzubauen und zu bewahren ist etwas, das eine Erdung braucht, die wir nicht alle in gleicher Weise mit in die Wiege bekommen haben. Und selbst wenn wir ein Umfeld haben, welches das Beste für uns will, das uns bei unseren Zielen unterstützt und auf dem Weg dahin zu tragen versucht, kann es sein, dass aller Support beim Menschen, dem er gilt, nicht wie gewünscht verfängt. Weil er Kämpfe kämpft, die wir – und vielleicht er selbst – gar nicht oder nicht gut genug verstehen können. Nicht nur ein schmerzender Ischiasnerv ist wahnsinnig schwer in den Griff zu bekommen. Der Schlüssel zu mentaler Ausgeglichenheit ist mindestens so schwer zu finden, und die Arbeit, die man als betroffene Person dafür leisten muss, ist riesig und mühevoll.

Und nun stelle man sich vor, wir haben diesen wahnsinnig talentierten und ja auch ausgewiesen tollen Skifahrer vor uns, der im Slalom sieben Weltcupsiege errungen und die Jahreswertung gewonnen hat, Vize-Olympiasieger in der Teamkombi geworden ist und Vizeweltmeister – und jede Saison war es ein Kampf. Niemand weiss besser als Feller selbst, welch herausragende Möglichkeiten er hat und welches Gefühl er für die Piste und den Kurs haben kann. Alle sehen, wie beherzt er für den perfekten Lauf kämpft – und immer wieder zwickt der Rücken, zweifelt der Mensch. Dabei ist dafür keine Zeit.

Gerade der Slalom ist eine brutale Disziplin:

Die Läufe dauern rund fünfzig Sekunden, Perfektion und Einfädler sind so nah bei einander. Viele Slalomfahrer sind Spezialisten. In keiner anderen Disziplin haben Fahrer aus so vielen Ländern berechtigte Ambitionen. Sie haben gerade mal plusminus zehn Weltcuprennen pro Saison, um ihre Stellung an der Weltspitze zu behaupten – oder auf der Startliste nach hinten gereicht zu werden. Und wenn das geschieht, ist es brutal schwer, sich trotz der schlechteren Verhältnisse mit späteren Startnummern wieder nach vorne zu kämpfen. Und die Läufe sehen oft so elegant und geschmeidig aus, das Training aber ist sehr hart – und geht allen auf den Rücken. Mir kommen ohne nachzudenken Fahrer in den Sinn, die alle mit Rückenbeschwerden kämpfen… Zenhäusern, auch Meillard und aktuell vor allem Haugan.

Ich wünsche Manuel Feller, dass er noch eine Saison geschenkt bekommt, wie er sie sich mit seinem grossen Leistungswillen verdient hat – und mit seinem Mut, die Probleme zu benennen, sich ihnen zu stellen und damit Hilfe zu beanspruchen: Manuel Feller soll Rennen gewinnen. Vor allen Schweizern. Und auch Siege feiern abseits der Rennpiste. Für sich und seine Familie. Jetzt mal durchatmen und auf sich hören. Körper und Geist müssen für uns alle möglichst in Einklang sein – und nicht wenige müssen irgendwann in ihrem Leben feststellen, dass dem gerade nicht so ist. Dann auf sich acht zu geben und sich der vermeintlichen Schwäche anzunehmen, ist schlussendlich eigentliche Stärke. Diese Art Achtsamkeit sollten wir alle für uns selbst haben.

Kommentare

  1. Patrick Jobst

    Ja, der fahrende Rückenschmerz.
    Super Artikel, der eigentlich schon alles gesagt hat.
    Manuel Feller ist ein sympathischer Sportler und ich schließe mich Deinen Wünschen an.

Kommentare

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