Hauptsache Sport

gewinnen und verlieren

Nils Petersen - eine besondere Karriere

von Kommentare 0

-

Das Zitat im Artikel-Bild von Nils Petersen ist 2025 sogar prämiert worden. Es drückt ganz wunderbar aus, was diesen Profi und Menschen immer ausgezeichnet hat: Einer, der sich nicht zu wichtig nimmt, seine Rolle sucht und annimmt und sie auch mit wohltuendem Humor und einer entsprechenden Gelassenheit ausfüllt. Das wird ihm auch als Kommentator / Experte weiter gelingen.

Für einmal kommt das Fazit zu Beginn – und wird anschliessend begründet:

Wäre ich Fussballprofi und könnte meine Rückennummer frei wählen – es wäre die Nr. 18 von Nils Petersen. Warum? Weil er sehr klar, unaufgeregt, sachlich, dankbar und gleichzeitig mit einem Lächeln seine Karriere bestritten hat, geleitet von einer Berufsauffassung, mit welcher er sich seinen Vereinen immer verpflichtet gefühlt hat, ohne den Fussball wichtiger zu machen, als er sein soll.

Es gab auch viel Unvollendetes

Horst Hrubesch hat ihn in den Olympiakader berufen. Mit Deutschland gewann der die Silbermedaille in Rio de Janeiro und wurde Torschützenkönig – vor allem wegen seiner fünf Tore im Gruppenspiel gegen Fidschi. Er hat im Final aber auch den entscheidenden Elfmeter verschossen. In die A-Nationalmannschaft wurde er mehrmals berufen, aber nur zwei Mal eingesetzt, und er hat keine WM bestritten. Und beim FC Bayern München ist er gescheitert.

In all seinen Mannschaften stand der Stürmer vor allem in der zweiten Bundesliga bei Cottbus in der Startformation – hat dann aber auch regelmässig getroffen.

Petersen und sein Wille, Verträge nicht nur einzugehen, sondern sie auch zu erfüllen.

Seine Verträge hat er erfüllt bzw. frühzeitig verlängert – bei Cottbus mitten in der Saison, trotz Angeboten aus der Bundesliga und aus dem Ausland, weil er mit dem Verein in die Bundesliga aufsteigen wollte. Als dieses Ziel verpasst wurde, hat der FC Bayern angeklopft, und Petersen hat es probiert. Der Versuch war nicht erfolgreich. Nils Petersen wurde so was wie ein Mitläufer. Es folgten Leihen nach Bremen mit einer ersten guten Saison – und später dann zum SC Freiburg. Und da war Petersen dann definitiv wieder in einem Umfeld angekommen, in welches er wunderbar gepasst hat. Daran hat auch ein Abstieg aus der Bundesliga nichts geändert: Petersen ist geblieben und hat sich langfristig an Freiburg gebunden – um mit 21 Treffern massgeblich zum sofortigen Wiederaufstieg beizutragen.

Ganz offensichtlich hat Petersen auch die Rolle, in der Bundesliga meist als Joker ins Spiel zu kommen, akzeptieren können wie kaum ein anderer. Er ist mit 34 Jokertoren in dieser speziellen Wertung absoluter Rekordhalter. In seinem letzten Spiel als Profi wurde er ein letztes Mal eingewechselt und stellte mit einem letzten Jokertor den wichtigen Sieg für Freiburg sicher.

Zitate von und über Nils Petersen

Um Petersen in seiner Bedeutung und Wirkung für seine Vereine zu beschreiben, ist ein bisschen O-Ton gut geeignet.

„Ich habe mich in Cottbus sehr wohl gefühlt und wäre gern dort geblieben, um mit dem Klub aufzusteigen. Während der vergangenen Saison kamen Angebote von Hoffenheim, Blackburn und Schalke. Die habe ich ausgeschlagen. Als ich dann die Chance sah, mich beim FC Bayern entwickeln und Fuß fassen zu können, habe ich natürlich Ja gesagt.“

„Ich bin dem FC Energie Cottbus unendlich dankbar. Dieser Verein war für mich nie ein Sprungbrett, sondern das Beste, was mir passieren konnte.“

Und später im Welt-Interview:

„In Cottbus war es nicht schlechter, nur anders. Dort haben wir unsere Schuhe selbst geputzt, nach dem Training selbst das Material getragen. Und mittags sind wir mit 14 Mann zum Fleischer gefahren, um für 2,80 Euro Nudeln mit Bratwurst zu kaufen. Das hat zusammengeschweißt.“

Auch FC Energie Cottbus -Präsident Lepsch bestätigte:

„Nils hat sich uns gegenüber stets professionell und fair verhalten, wir wussten über jeden seiner Schritte Bescheid.“

Zu seiner Zeit bei Bayern meinte er,

er sei dort „nicht er selbst“ gewesen, „zu verkrampft“, im Training „zu brav“, habe „die Klappe gehalten“ und sich untergeordnet;

Zu seinem letzten Spiel als Profi für den SC Freiburg:

Ich habe mich gefreut, überhaupt Einsatzzeit zu bekommen, obwohl es sportlich noch „um Einiges“ ging.

Nun, er steuerte das 105. Pflichtspieltor für den SC Freiburg bei. Vereinsrekord.

Und dann ist da noch Christian Streichs Satz nach dem Abschied:

„Niemand ist größer als der Verein, aber du warst verdammt nah dran.“

Nun erklärt uns Niels Petersen als Experte und Co-Kommentator den Fussball, ist aktuell bei DAZN beschäftigt.

Auf die Frage, wie er denn den Übergang vom Spieler zum Kommentator geschafft habe, antwortete Petersen mit:

„Früher habe ich 80 Minuten zugeguckt, heute 90.“

Und das hat ihm eben die Auszeichnung als Fussballspruch des Jahres, verliehen von der deutschen Akademie für Fussballkultur, eingetragen.

Und ein Buch geschrieben hat er auch:

Bank-Geheimnis. Selbstgespräche eines Fußballprofis. Herder, Freiburg i. B. 2023, ISBN 978-3-451-03438-1.

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentare

* Eingabe erforderlich. Du musst vor dem Absenden die Vorschau ansehen. Hinweise zur Netiquette.





Formatierung für Links: "Mein Linktext":https://meinlink.com