Nach der Fussball-WM: Die neuen Regeln gegen Spielverzögerung
Fussball, so sagt man gerne, ist ein einfaches Spiel, dessen Ziel schnell mal klar ist: Das Runde muss ins Eckige. Auf dem Weg dahin entstehen aber unzählige knifflige Situationen, über die herrlich debattiert und gestritten werden kann. Darum wird laufend versucht, das Regelwerk zu verbessern, ohne den Charakter des Spiels zu sehr zu verändern. Zeitspiel ist dabei ein immer wiederkehrendes Thema.
Der ewige Kampf gegen das Zeitspiel
Nichts macht den Fussball langweiliger als das Zeitschinden der Spieler, denen dabei jedes Mittel recht ist. Das IFAB, Regelboard des Weltfussballs für alle Anpassungen im Regelwerk, hat Tests, die effektiven Spielzeiten zu messen, also die Zeituhr bei jedem Spielunterbruch zu stoppen und, zum Beispiel, 2mal 30 Minuten spielen zu lassen, durchgeführt, aber nie an eine flächendeckende Anwedung im Profifussball gedacht: Die Regeln sollen so bleiben, dass sie überall sehr ähnlich angewendet werden können. Also in allen Ligen an allen Orten, auch dort, wo die technischen Voraussetzungen für das Messen der effektiven Spielzeit fehlen.
Es ist interessant, welche Massnahmen das IFAB im Laufe der Jahre eingefüht hat, die heute nicht mehr wegzudenken sind und die massgebliche Verbesserungen für ein heute flüssigeres Spiel gebracht haben.
Die wichtigsten Anpassungen in der Zeit vor der WM
Schon mehr als 30 Jahre ist es her: Seit 1992 darf der Torhüter den Ball nach einem kontrollierten Rückpass oder einem Einwurf seines Mitspielers nicht mehr mit der Hand aufnehmen. Das hat das Torwartspiel schlagartig verändert und dem Spiel sehr geholfen, erst recht, seit der Torhüter angehalten wird, den Ball auch innert acht Sekunden wieder aus den Händen zu geben. Dass ein Sieg mit drei Punkten, statt nur mit zwei belohnt wird, hat massgeblich dazu beigetragen, dass sich Teams mehr darum bemühen, die Spiele zu gewinnen, statt sie nur nicht zu verlieren. An dieser WM sehr schön zu sehen: Der Prozess geht weiter, und die ensprechenden Schritte zeigen sofort Wirkung:
Seit dieser WM hat der Schiedsrichter deutlich mehr Einflussmöglichkeiten
Er kann Zeitspiel in den verschiedensten Situationen unterbinden, sanktionieren und damit massgeblich zum flüssigeren Spiel beitragen. Zudem wird die verlorene Zeit seit der WM 2022 konsequenter nachgespielt, aber das reicht nicht: Zeitspiel in jeder Form soll auch den Rhyhtmus der Mannschaft brechen, die noch auf ein Tor drängt, und das ist nicht im Sinne des Spiels.
1. Abstösse und Einwürfe
unterliegen nun einem Fünf-Sekunden-Limit: Erachtet der Schiedsrichter eine Verzögerung als beabsichtigt und unangemessen lang, zeigt er einen sichtbaren Countdown von fünf Sekunden an. Wird die Frist überschritten, erhält der Gegner den Einwurf, beim verspäteten Abstoss kann die Konsequenz sogar ein Eckball für den Gegner sein.
2. Für Torhüter
Der Schiedsrichter orientiert sich am schon gültigen Acht-Sekunden-Limit, und er kann dies durch Gestik oder sichtbares Zählen verdeutlichen, wenn der Torhüter seiner Meinung nach das zu sehr ausreizt.
3. Ausgewechselte Spieler müssen das Feld innert 10 Sekunden verlassen.
Brauchen Sie länger, muss der Spieler, der stattdessen eingewechselt werden soll, an der Aussenlinie bis zum nächsten Spielunterbruch warten.
4. Spielunterbrüche wegen liegen bleibender Spieler
Bleibt ein Feldspieler liegen, so wird er gefragt, ob er eine Behandlung braucht. Verneint er, steht er wieder auf. Kommen Betreuer aufs Feld, so muss der Spieler anschliessend an der Seitenlinie eine Minute lang pausieren, bevor er weiterspielen darf. Begibt er sich selbständig zur Pflege an die Aussenlinie, so kann ihn der Schiedsrichter früher wieder auf den Platz winken, wenn die Behandlung abgeschlossen ist.
Die Folge: Es gibt viel weniger „verletzungsbedingte“ Unterbrechungen. Die Spieler bleiben nicht mehr liegen. Der Schiedsrichter hat ein klares Protokoll, das transparent ist, gleichzeitig kann er in der Anwendung durch die Kommunikation mit den Spielern zusätzlich Einfluss auf das Verhalten nehmen – und auch zeigen, wie er selbst begründete und unbegründete „Kunstpausen“ einschätzen kann.
Interessant ist, dass diese wenigen Anpassungen zu einer eindeutigen Veränderung des Verhaltens der Spieler führen. Ganz offensichtlich will man nicht riskieren, auch nur einen einzigen Ball hergeben zu müssen (Einwurf), und schon gar nicht will man mit einer Ecke bestraft werden (Abstoss). Und auch nur eine Minute zu zehnt gegen elf spielen will auch niemand.
Besonders interessant ist, dass die Anwendung dieser Regeln grundsätzlich immer einen gewisses Ermessensspielraum des Schiedsrichters mit beinhaltet, aber er vermag sehr viel Einfluss zu nehmen, indem er früh im Spiel den Countdown ein, zwei Mal anzeigt. Das führt dazu, dass die Spieler sich in der Folge gar nicht mehr darauf einlassen – das Spiel wird selbstverständlich flüssiger. Die langen vermeintlichen Verletzungspausen und die unsäglich verschleppten Auswechslungen haben so manches Spiel früher in der Schlussphase komplett abgewürgt. Ich hoffe sehr, dass diese Änderungen dauerhaft angewendet werden.
Kategorien: Fussball
Kommentare
Keine Kommentare
Kommentare