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Kylian Mbappé

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In den letzten Jahren sind auf der Weltbühne so viele blutjunge Weltklassefussballer aufgetaucht wie wohl noch nie zuvor. Was man ihnen zutraut und von ihnen erwartet, ist oft fast unmenschlich, und wenn sie dem Druck standhalten, werden die Erwartungen noch grösser. Kylian Mbappé ist ein Beispiel dafür.

Einst Hoffnungsträger – und heute?

Kylian Mbappé – das ist der junge Mensch, heute noch immer keine 26 Jahre alt, der als 18Jähriger bereits DER Hoffnungsträger einer grossen Fussballnation war und der sich mit seinen Leistungen die Welt zu Füssen legte. Heute werfen wir ihm seinen ich-bezogenen Charakter vor. Darin liegt eine gehörige Portion Widersprüchlichkeit.

Blutjung die Hoffnung der ganzen Nation – heute der Reibepunkt

Auf den kometenhaften Aufstieg folgt die Charakterdebatte. Kaum ein Spieler verkörpert dieses Spannungsfeld so sehr wie Kylian Mbappé. Der Franzose ist ein Ausnahmestürmer – wohl kein Spieler seit Pelé hat schon als Teenager so viel Einfluss auf den Erfolg seiner Mannschaft gehabt wie er. Auf ihn hat das ganze Land seine Hoffnungen projiziert. Heute sind aus den Hoffnungen Forderungen geworden, und der junge Mann ist Projektionsfläche und Reizfigur. Doch wer seine Karriere auf Schlagworte wie „Ego“ oder „Unruhestifter“ reduziert, übersieht einen zentralen Punkt: Gerade jene Persönlichkeit, die heute kritisiert wird, war Teil seines frühen, aussergewöhnlichen Erfolgs.

Unfassbare Leistungen mit hoher bewiesener Resilienz

Als Mbappé 2018 in Russland Weltmeister wurde, war er 19 Jahre alt. Ein WM-Turnier ist für viele Profis der einmalige Höhepunkt ihrer Laufbahn, aber er spielte in seinem ersten grossen Turnier nicht nur mit – er prägte es. Vier Tore, ein überragender Auftritt gegen Argentinien, ein Treffer im Final. Entscheidend war dabei weniger die Statistik als die Haltung: Mbappé nahm diese Bühne an, als wäre sie für ihn gemacht. Dieses Selbstverständnis war keine Arroganz, sondern Ausdruck eines seltenen Selbstvertrauens, ausgestattet zudem mit einem Intellekt, der sich früh zu artikulieren wusste. Auf dem Platz gefiel mir die Ausstrahlung, der klare, helle Blick und eine Positivität, die jede Herausforderung bereitwillig annahm.

Genau darin liegt ein oft verkanntes Element seiner Karriere. Während viele Talente an Erwartungen zerbrechen, nutzte Mbappé sie als Beschleuniger. Ohne dieses ausgeprägte Ich gibt es keine Weltklasse – schon gar nicht in einem Alter, in dem andere noch um Einsatzminuten kämpfen. Der Blick noch weiter zurück, nach Monaco, bestätigt das. In der Saison 2016/17, mit 18 Jahren, erzielte Mbappé 26 Pflichtspieltore und führte das Team bis ins Halbfinale der Champions League. Gegen Manchester City und Borussia Dortmund war er der Unterschiedsspieler. Talent allein erklärt das nicht. Es war die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, bevor sie ihm offiziell übertragen wurde.

Der gesellschaftliche Katapult

Auch klar ist: Wenn Du mit 19 Weltmeister bist, bleibst du nicht allein. Du hast unzählige Menschen um dich, welche das Beste für Dich wollen, es besser wissen und mitverdienen wollen. Der Junge wuchs in Bondy im Pariser Ballungsraum als Sohn eines Kameruner Jugendtrainers und einer erfolgreich Handball spielenden Algerierin auf, doch reicht die Struktur einer sportlich engagierten Familie aus, um all das Neue richtig einzuordnen? Mit den Teams, in die Mbappé danach transferiert wurde, veränderte sich alles:

Teams der Egomanen

Der Wechsel zu Paris Saint-Germain brachte eine neue Dimension – sportlich wie medial. In einem Ensemble von Superstars, neben Messi und Neymar, musste Mbappé, wie sie für horrende Summen eingekauft, seine Rolle finden und behaupten. Dass dies nicht ohne Reibung verlief, ist unbestritten. Doch auch hier lohnt sich die Perspektive: Über Jahre hinweg blieb er der konstanteste Faktor im Pariser Offensivspiel, sammelte Tore in Serie und entwickelte sich vom Tempodribbler zum kompletten Angreifer.

Auffällig ist dabei seine Entwicklung im Spielverständnis. Der junge Mbappé suchte konsequent den direkten Abschluss, der reifere Mbappé liest Spielsituationen differenzierter, bindet Mitspieler ein und übernimmt phasenweise die Spielgestaltung. Diese Anpassung widerspricht dem oft gezeichneten Bild des eindimensionalen Ego-Spielers.

Auch die WM 2022 ein Tatbeweis für sich

Ein besonders klares Beispiel für seine Entwicklung lieferte die Weltmeisterschaft 2022. Mbappé war mit acht Toren (!) der prägende Spieler des Turniers. Sein Hattrick im Final gegen Argentinien war nicht nur technisch herausragend, sondern auch mental bemerkenswert. In einem scheinbar verlorenen Final brachte er Frankreich zurück ins Spiel und erzwang eine Verlängerung.

Führungsstärke und Dominanz und das Gift des Geldes

Gerade hier zeigt sich die Ambivalenz in der öffentlichen Wahrnehmung: Einerseits wird Führungsstärke gefordert, andererseits wird Dominanz kritisch interpretiert. Doch Führung im Spitzensport ist selten harmonisch. Sie ist fordernd, manchmal unbequem und oft polarisierend. Mbappé verkörpert genau diesen Typus – in Teams, die selbst von starken Persönlichkeiten geprägt sind, die hohe Ansprüche stellen und Erwartungen haben, wie ihre Bedeutung gewürdigt wird.

Die immer wiederkehrenden Berichte über Spannungen bei PSG, nun bei Real oder im Umfeld der Nationalmannschaft fügen sich in dieses Bild. Topteams sind keine konfliktfreien Räume, sondern Systeme mit konkurrierenden Ansprüchen. Dass ein Spieler wie Mbappé dort aneckt, ist nicht überraschend.

Seit seinem Durchbruch liefert Mbappé konstant auf höchstem Niveau. Die Erwartungen sind einfach, Verletzungen hin oder her, übermenschlich. Ihm sind Verträge angeboten worden, mit denen er sich das eingebrockt hat. Soll man ihm vorwerfen, dass er das Geld genommen hat? Geld übrigens, dass er sich von PSG danach in langwierigen Streitigkeiten gerichtlich erfolgreich noch erstreiten musste.

Seine Zahlen bewegen sich über Jahre hinweg in einer Sphäre, die nur wenigen Spielern vorbehalten ist. Tore, Assists, entscheidende Aktionen in grossen Spielen – seine Produktivität ist kein Ausreisser, sondern ein Muster. Dass PSG nach seinem Abgang zu Real besser funktionierte, hatte seinen Grund in der maroden Zusammensetzung des ganzen Teams, in dem er nur ein Grund von vielen war.

Es wäre daher zu einfach, Mbappés Charakter als Problem zu definieren. Vielmehr ist er ein zentraler Bestandteil seines Erfolgs. Mbappé ist kein makelloser Spieler. Aber Perfektion ist im Spitzensport keine Voraussetzung für Grösse. Entscheidend ist Wirkung – und die ist bei ihm seit Jahren unübersehbar. Er entscheidet Spiele, prägt Turniere und setzt Massstäbe, und sein Spiel ist deutlich mannschaftsdienlicher und vielseitiger als das vieler Spieler in ähnlichen Positionen. Bei Real Madrid kann auch das ein Problem werden…

Eine Diva? Viele Diven!

Auch zum Kern der Debatte gehört: Mbappé steht für eine Generation, die ihre Rolle selbstbewusster definiert und sich weniger bereitwillig in bestehende Strukturen einfügt. Das erzeugt Reibung. Wer sich gegen Diven wie Vinicius jr. bei Real oder Dembelé in der Nationalmannschaft behauptet, ist selber eine.

Wer über seine Persönlichkeit urteilt, sollte nicht vergessen, dass genau diese Eigenschaften ihn dorthin gebracht haben, wo er heute steht. Und damit wird ihm immer der Ruf vorausgehen, dass er andere neben sich im Schatten stehen lässt.

Sollte es Frankreich schaffen, sich mit Mbappé als Team zu finden, könnte er der erste Spieler überhaupt werden, der an drei Weltmeisterschaften hintereinander in einem Final ein Tor erzielt.

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