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Julien Sprunger - wird am Ende der Traum wahr?

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Der HC Fribourg Gottéron hat das erste Spiel der Finalserie beim HC Davos gewonnen. Das nährt im Greyerzerland die Hoffnung, dass es endlich, endlich gelingen könnte – im fünften Anlauf die Finalserie erstmals mit dem Schweizer Meistertitel zu krönen. Grund genug, dem Club diese Zeilen zu widmen.

Update vom 20. April 2026 22h28
Fribourg hat zuhause das Break nicht bestätigen können und gegen Davos 1:3 verloren, nach einem katastrophalen Start ins Spiel. Nach vier Minuten stand es 0:2. Die Serie ist damit 1:1 ausgeglichen, und Davos hat den Vorteil des Heimspiels im allenfalls siebten Spiel.

Das magische Duo

Als ich damals hörte, dass die mehrfachen Olympiasieger und Weltmeister Wyatescheslaw „Slawa“ Bykow und Andrej Walentinowitsch Chomutow nach Fribourg kommen würden, um in der NLA Eishockey zu spielen, fand ich das eine Phantasterei. Aber das Märchen wurde wahr. Das magische Duo veränderte nicht nur das Eishockeyverständnis in Fribourg, sondern die Stellung des Schweizer Eishockeys als Ganzes.

Wie Slawa Bykow und Andrej Chomutow überhaupt nach Fribourg kamen

Ende der 80er ist Gottéron sportlich und wirtschaftlich eher ein Chaosklub: Trainerkarussell, finanzielle Probleme, viel Spektakel neben dem Eis, wenig Stabilität. In diese Situation fallen Perestroika und Glasnost – der politische Umbruch in der Sowjetunion öffnet erstmals Tür und Tor für Transfers von Topspielern in den Westen.

Der damalige starke Mann in Fribourg, Präsident/Manager Jean Martinet – «Monsieur 100’000 Volt» – nutzt diese neue Lage und zieht 1990 den Transfercoup durch, der weltweit Schlagzeilen macht: Gottéron verpflichtet mit Bykow und Chomutow, zwei zentrale Figuren der sowjetischen Sbornaja. Fribourg sticht damit sogar die Québec Nordiques aus, die die beiden ebenfalls wollten – ein Provinzklub aus der hinteren NLA-Tabellenhälfte holt zwei der besten Spieler der Welt.

Intern wirkt der Coup wie ein Erdbeben: Junge Schweizer wie Mario Brodmann, Mario Rottaris und Samuel Balmer, die eigentlich nach Lugano wechseln wollten, bleiben, als sie erfahren, dass «die Russen» kommen. Paul-André Cadieux kehrt als Headcoach zurück, weil er plötzlich mit einem Kader arbeiten kann, das auf einen Schlag ambitiös geworden ist.

Die Bykow/Chomutow-Jahre: Spektakel und verpasste Titel

In der ersten Saison 1990/91 ist Gottéron noch nicht sofort Liga-Dominator: In der Quali reicht es «nur» für Rang vier, im Playoff scheitert Fribourg im Halbfinal an Bern. Trotzdem ist klar, dass hier etwas Grosses heranwächst – Bykow wird dreimal Topskorer der Liga, Chomutow zweimal, und gemeinsam prägen sie das Spiel wie kaum ein Duo vor oder nach ihnen.

Zwischen 1992 und 1994 hebt Gottéron dann tatsächlich ab: Die Freiburger erreichen drei Finals in Serie, zwei Mal als Qualifikationssieger.

1992: Finalniederlage gegen den SC Bern (2:3 Siege).

1993: Finalniederlage gegen Kloten (1:3).

1994: erneut Finalniederlage gegen Kloten (1:3).

Von Herbst 1991 bis Frühling 1994 dominiert Fribourg phasenweise die Meisterschaft, gilt rückblickend als «beste Mannschaft, die nie Meister wurde», doch auf den ersten Titel warten sie an der Saane weiterhin vergeblich. Die Ära ist spektakulär, aber sie endet sportlich hart – drei Finalpleiten hinterlassen eine kollektive Narbe in Stadt und Klub.

Danach: Klub, Organisation und Stadion

Nach dem Ende der Russen-Ära flacht der sportliche Höhenflug ab, und der Klub kämpft wieder verstärkt mit wirtschaftlichen Themen; das Bild der «ewig Unvollendeten» verfestigt sich. 2013 steht Gottéron nochmals im Final, diesmal als Qualifikationssieger – und verliert erneut gegen den SC Bern mit 2:4. Es bleibt bei Vizemeisterschaften (1992, 1993, 1994, 2013), Meister wird Fribourg nie.

Parallel dazu entwickelt sich die Organisation professionell weiter: Der Klub etabliert sich dauerhaft in der National League und investiert in Infrastruktur und Strukturen. Ein wichtiges Symbol des neuen Selbstverständnisses ist das modernisierte Heimstadion – aus der alten Patinoire St-Léonard wird die BCF-Arena, erweitert und auf einen zeitgemässen National-League-Standard gebracht, inklusive höherer Kapazität, Komfort und Hospitality-Angebot. Diese Arena ist heute die Kulisse für eine neue Generation, die – ähnlich wie damals – wieder von einem ersten Titel träumt – und im Mai auch Co-Austragungsstadion der Eishockey-Weltmeisterschaft ist.

Fribourg heute: wieder im Final – «Zeit, Geschichte zu schreiben»

2023/24 holt Gottéron erstmals den Spengler Cup, ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie sich ein Titel anfühlen könnte: Mit einem 7:2-Final gegen Straubing gewinnt Fribourg beim Traditionsturnier in Davos zum ersten Mal einen grossen Pokal.

In dieser Saison hat Fribourg die Qualifikation als Zweiter beendet, Genf-Servette im Halbfinal mit 4:1 aus dem Weg geräumt und steht zum fünften Mal in der Klubgeschichte im Playoff-Final. Gegner ist mit dem HC Davos ein Verein, der ebenfalls für eine ganze Region steht, die sich total mit „ihrem“ Verein identifiziert – und Gottéron startet mit einem Auswärtssieg in diese Serie, der den Traum vom ersten Meistertitel real greifbar macht. In Fribourg und im ganzen Kanton ist die Erwartungshaltung riesig, die Nostalgie der Bykow/Chomutow- Zeiten allgegenwärtig.

Julien Sprunger: Kind der Bykow-Ära und letzte Chance

Julien Sprunger ist die personifizierte Klub-DNA: knapp 1200 Spiele für Fribourg-Gottéron, 24 Saisons im gleichen Trikot, kein anderer Verein. Als Bykow und Chomutow in Fribourg einschlagen, ist Sprunger ein kleiner Junge mit dem Stock in der Hand – eine Generation, die am TV und im Stadion gross wird mit diesem russischen Superduo – und später viele Jahre mit seinem Freund, dem Sohn von Slawa Bykov, bei Gottéron zusammenspielt.

Heute steht Sprunger selbst auf diesem Legenden-Level: Captain, Rekordspieler, Identifikationsfigur – und der einzige im aktuellen Kader, der den verlorenen Final 2013 noch miterlebt hat. Sein 1175. Spiel zu Beginn dieses Playoff-Frühlings hätte beinahe sein letztes sein können, wäre da nicht das Overtime-Tor von Benoît Jecker im siebten Viertelfinalspiel gegen Rapperswil gewesen. Als die dritte Partie der Serie in der BCF-Arena anstand, gingen die Fans auf Nummer sicher. Julien sollte in jedem Fall gebührend verabschiedet werden – und beim Stand von 0:2 Siegen konnte das das letzte Heimspiel seiner Karriere sein. Eine überwältigende Choreo im ganzen Stadion für die Nr. 86 war der Tribut für einen der grössten Spieler, welche je einen Club geprägt haben – und der Club ihn. Aber Fribourg holte auf 2:2 auf, handelte sich nochmals einen Rückstand ein und gewann das siebte Spiel in der Overtime. Die Eishockeywelt bekommt nochmals eine besondere Geschichte aus Fribourg erzählt, denn jetzt steht Sprunger noch einmal im Final, in seiner allerletzten, seiner 24. Saison. Und es geht gegen Davos. Gegen diesen Gegner hat er damals sein allererstes NLA-Spiel bestritten.

Jetzt oder nie

«Jetzt oder nie – das gilt für mich, nicht für Gottéron», sagt er, weil der Klub in seiner Sicht weitere Chancen bekommen wird. Aber die Geschichte ist doch einfach so schön, dass sie wahr werden soll: Der Knirps aus der Bykow/Chomutow-Generation könnte als 40-Jähriger derjenige sein, der Gottéron als Captain endlich zum ersten Meistertitel führt – und damit das grosse offene Kapitel der Klubgeschichte schliesst.

Kommentare

  1. Sechser (Autor)

    Heute Abend: Julien Sprunger erzielt in der zweiten Verlängerung in Davos das Siegtor zum 2:1 in der Finalserie. Link

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