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Frank Baumann - DER Mediziner für Schalke 04

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Der Wiederaufstieg von Schalke 04 in die Bundesliga ist nicht nur das Meisterstück des Trainers – sondern auch des Sportmanagers, der den menschlichen und fachlichen Sachverstand besitzt, zusammenzufügen, was so offensichtlich gut zusammenpasst. Zeit, Frank Baumann ein wenig zu porträtieren.

Frank Baumanns Karriere verläuft schon als Spieler sehr geradlinig. Wenige Vereine, aber viele Jahre spielerische Stabilität in eher unauffälligen Rollen: Fussball ist ein Spiel der Ordnung. Jemand muss die Räume sehen und schaffen, in denen andere glänzen können.

Geboren 1975 in Würzburg, spielt Baumann als Junior zehn Jahre beim TSV Grombühl.

Durchbruch in Nürnberg

1991 wechselt Baumann in die Jugend des 1. FC Nürnberg, wo er sich rasch für höhere Aufgaben empfiehlt. 1994 feiert er im Trikot des Clubs sein Profidebüt und wird schnell als defensiver Mittelfeldmann und Abwehrspieler zur Stammkraft.

In über 100 Pflichtspielen im emotionalen Nürnberger Umfeld lernt er, wie flüchtig sportlicher Erfolg sein kann.

Werder Bremen: Spieler, Kapitän, Titelträger

1999 folgt der Schritt nach Norden zu Werder Bremen – ein Wechsel, der seine sportliche Identität endgültig festschreibt. Auch in Bremen ist Fussball alles, aber die Bodenhaftung wird leichter gehalten. So reift Baumann zum Führungsspieler, wird auf Dauer Kapitän und verkörpert über ein Jahrzehnt jene Mischung aus Ruhe, taktischer Disziplin und Verlässlichkeit, mit der sich Werder in dieser Zeit an der Spitze der Bundesliga etabliert. Mit dem immer gleichen Trainer an der Seitenlinie: Thomas Schaaf.

Mit Bremen gewinnt er 2004 das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal, 2009 kommt ein weiterer Pokalsieg dazu. Insgesamt absolviert er für Nürnberg und Werder zusammen fast 500 Pflichtspiele, davon 360 allein für Werder.

Parallel schreibt Baumann auch ein Kapitel in der Nationalmannschaft: Er bestreitet 28 A-Länderspiele für Deutschland, tritt meist als defensiver Mittelfeldspieler auf und gehört 2002 zum Kader, der in Japan und Südkorea Vize-Weltmeister wird.

Der Übergang ins Management bei Werder

2009 beendet Baumann seine aktive Laufbahn in Bremen, bleibt dem Klub aber praktisch nahtlos erhalten. Schon 2010 steigt er als Assistent der Geschäftsführung ein.

2011/2012 übernimmt er zusätzlich die Leitung der Scouting-Abteilung, kurze Zeit später wird er Direktor Profifußball und verantwortet Kaderplanung, Transfers und die sportliche Ausrichtung.

Im Mai 2016 folgt der entscheidende Schritt: Baumann wird Geschäftsführer Sport bei Werder Bremen. In dieser Rolle muss er auch durch eine der schwierigsten Phasen des Vereins und bleibt auch nach dem Abstieg 2021 an Bord. Werder schafft den sofortigen Wiederaufstieg 2022.

Baumann hat in dieser Phase viel Kritik und Druck erfahren. Dass er im Amt bleiben durfte und wollte, ist ebenfalls bemerkenswert. 2024 endet seine Tätigkeit bei Werder auf eigenen Wunsch – wohl in dem Gefühl, dass beide Seiten alles gegeben haben, was möglich war.

Was dann folgte, war für Viele eine grosse Überraschung:

Der Schritt zu Schalke 04

Nach rund 25 Jahren im Bremer Umfeld wirkt der Wechsel zu Schalke 04 fast wie ein Bruch mit der eigenen Biografie. Im April 2025 wird Baumann offiziell als neuer Vorstand Sport der Königsblauen per 1. Juni 2025 vorgestellt, ausgestattet mit einem langfristigen Mandat in einem Klub, der im Chaos der vergangenen Jahre nach Stabilität und klarer Linie sucht. Der Klub ist irgendwo zwischen der Hoffnung auf die erste Bundesliga und dem Grauen neuer Abstiegsgespenster angesiedelt. Baumann ist nach Knäbel das nächste Manager-Schwergewicht, das versuchen soll, einen festen Boden für sportlich erfolgreiche Schritte zu schaffen.

Gerade die Kombination aus Schalkes emotionaler Wucht und Baumanns ruhiger, analytischer Persönlichkeit macht diesen Schritt so spannend. Baumann betont bei seiner Vorstellung, dass er weniger von großen Konzepten sprechen, sondern Strukturen schaffen und konsequent arbeiten will – „weniger erzählen, entscheidend ist das Umsetzen“, sagt er.

Gleich zu Beginn ein richtungsweisender Entscheid

Den wichtigsten Grundstein für seine Arbeit legt er, bevor er überhaupt sein Büro bezieht. Ende Mai 2025 präsentiert Schalke 04 seinen neuen Cheftrainer: Er heisst Miron Muslic.

Miron wer? Niemand kennt ihn, praktisch jeder Sportjournalist muss den Namen zuerst einmal googeln. Doch Baumann hat ihn schon länger verfolgt und insbesondere seine Arbeit bei Cercle Brügge beobachtet. Es ist aber nicht nur die taktische Arbeit, die Baumann überzeugt, sondern auch die Art, wie Muslic persönliche und mannschaftliche Krisen meistert – und aus ihnen wieder herauswächst. Die Wahl fällt auf einen Trainer, der für aktiven, zielstrebigen Fussball steht und zugleich den Willen zur Basisarbeit verkörpert: mehr tun als der Gegner, mehr arbeiten, mehr spielen.

Der Blick auf den Kader

Parallel arbeitet Baumann am Umbau des Kaders. Die harten wirtschaftlichen Bedingungen kennt er aus Bremen, wo Werder ebenfalls auf Transfererlöse angewiesen war. Wieder setzt er auf Kontinuität und klare Ideen statt auf kurzfristige Effekte – Eigenschaften, die in einem Umfeld wie Schalke schwerer zu verteidigen sind, aber perfekt zu seinem Profil passen. Bemerkenswert finde ich vor allem eine Aussage von ihm: dass das bestehende Kader von Schalke 04 bereits in allen Bereichen das Potenzial zu einer Steigerung besitzt.

Muslic als neues Gesicht von Schalke

Und Muslic wird von Tag 1 an das Gesicht von Schalke in der Öffentlichkeit, mit einer Sprache, mit der er alle abholt und einbindet. Er ist auch diesbezüglich perfekt für den leisen Strategen Baumann, der in der ersten Reihe Verantwortung trägt, ohne nach öffentlicher Präsenz zu verlangen, sondern seinen Auftrag erfüllt, indem er Muslic den Rücken stärkt.

Baumann schliesst die Reihen und erarbeitet Grundlagen

Gerade auf Schalke, wo Emotion und Lautstärke traditionell hochgedreht sind, wirkt dieser Kontrast, den Baumann bietet, wie ein bewusst gesetztes Gegenmodell. Wenn man seine Karriere heute erzählt, dann ist sie auch die Geschichte eines Mannes, der aus der Logik des defensiven Mittelfeldspielers – Räume schließen, Gefahren erkennen, das Spiel ordnen – ein Managementprofil geformt hat, das in Gelsenkirchen auch in den kommenden Jahren zum entscheidenden Pfund werden könnte. Es wird schwer genug. Niemand weiss es so gut wie Baumann. Er kann Muslic davon erzählen, und Muslic ist der Erste, der auch das versteht. Und Baumann ist zuzutrauen, dass seine Arbeit weitere Früchte tragen kann. Er wird sich auch für die neue Situation Bundesliga 2026/27 schon seine Gedanken gemacht haben. Konkrete, klare Gedanken.

Und dann noch dieser Telefonanruf…

Eine Anekdote zum Schluss: Dass dieser Führungsriege und damit dem Verein, dem sie wieder eine Zukunft gaben, in der Winterpause 25/26 ein besonderes Geschenk erwuchs, haben sie sich eben auch verdient. Muslic wird den Anruf von Edin Dzeko nie vergessen. Der bosnische Nationalheld wollte unbedingt für Schalke spielen. Und entsprechend überzeugend trat er auf und bescherte Schalke und der 2. Bundesliga einen Weltstar auf seinem letzten Leistungstrip – der nun mit der WM-Teilnahme gekrönt wird..

Und dann gibt es da noch einen Spieler, den ich persönlich „kenne“, den ich erwähnen möchte: Baumann hat auf den 1. Juli 2025 schon Nikola Katic vom FC Zürich geholt. Der Innenverteidiger war bei Zürich auffallend, gut, aber dass er auf Schalke zum Mentalitätsmonster wurde und sofort Leistungsträger war, hat mich doch ein wenig überrascht. Womöglich war Katic mit seinen Erzählungen über Schalke 04 nicht ganz unschuldig an Dzekos Telefonat …

Nun sind auf Schalke erst mal zwei Bosnier auf einer Mission: WM 2026.

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