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Ecuadors erfolgreicher Charaktertest

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Die Nationalmannschaft Ecuadors hat gestern gegen Deutschland an der Fussball-WM nicht nur einen Leistunstest bestanden, sondern einen besonderen Charakter gezeigt, der schlicht inspirierend wirkt und dem Team viele weitere Sympathien eingetragen hat.

Gute Leistung, schlecht belohnt

Eigentlich wollte ich in dieser Nacht die womöglich entscheidende Partie um den Stanley-Cup im Eishockey schauen. Doch davor war noch Zeit, mir den Anfang des WM-Fussballspiels zwischen Ecuador und der Elfenbeinküste anzuschauen. Und was soll ich sagen? Es war das mitreissendste 0:0-Spiel, das ich seit langer Zeit gesehen habe. Die Physis beider Mannschaften, die Intensität, das technische Niveau und die positive, vorwärts gerichtete Spielweise waren mitreissend. Viermal wurde Aluminium getroffen. Ich habe während dem Match, die NHL ging vergessen, gelernt, dass Ecuador in der schweren Südamerika-Qualifikation Platz zwei einnahm, sogar Argentinien geschlagen hatte. Und was ich sah auf dem Bildschirm, liess das durchaus plausibel erscheinen. Und dann das: Zum Ende fällt doch noch ein Tor, und Ecuador verliert ein tolles Spiel nach toller Leistung 0:1.

Die Katastrophe

Im zweiten Spiel gegen den Zwerg Curaçao würde ein deutlicher Sieg die Ausgangslage wieder optimieren. Drei Punkte nach zwei Runden mit positivem Torverhältnis sind fürs Weiterkommen die halbe Miete. Ich habe das Spiel nicht gesehen, aber das Resultat ist bekannt. 0:0.

Alles verloren. Der argentinische Trainer wird in der Presse filetiert. Aber die Selbstzerfleischung ist erst mal ein mediales Ereignis – Jetzt muss man halt den viermaligen Weltmeister Deutschland schlagen. Die Aufgabe scheint für das Team übermächtig schwer.

Der Charakter des Teams

Und es beginnt maximal schlecht. In der zweiten Minute spielt Pavlovic mit gestrecktem hohem Bein den Ball und schrammt dabei am Kopf seines Gegenspielers vorbei – aus der Aktion heraus erzielt Sané ein Tor – und alle sind sicher, dass es anulliert wird. Doch die Schiedsrichterin gibt den Treffer und wird vom VAR nicht korrigiert. Unglaublich. Ich kenne niemanden, der diesen Treffer regulär fand. Sebastian Schweinsteiger hat in der ARD in der Pause gesagt, dass er nicht wissen möchte, was in der deutschen Mannschaft los gewesen wäre, hätte sich die Szene umgekehrt ereignet. Und was machen die Ecuadorianer? Natürlich suchen Sie das Gespräch mit der Schiedsrichterin. Captain Enner Valencia kann es nicht glauben… Aber der Entscheid wird – natürlich – nicht zurückgenommen. Der Hader bei Ecuador ist verständlich. Erstaunlich ist vielmehr, wie ruhig und respektvoll die Spieler im Grunde bleiben und den Entscheid nicht hinnehmen, sondern akzeptieren. Und sie werden belohnt. In der 9. Minute schon gelingt durch einen satten Weitschuss der Ausgleich. Spätestens von nun an ist das Spiel die Manifestation der ecuadorianischen Fussballseele. Auf dem Feld zerreissen sich die Spieler, auf den Rängen hat Ecuador ein Heimspiel und feuern die Fans ihre Mannschaft unablässig an. In der zweiten Halbzeit bekommt Ecuador das Spiel immer besser in den Griff und ist klar das bessere Team. Sie müssen nicht nur, sie wollen gewinnen. Und eine Viertelstunde vor Schluss gehen sie nach einer Ecke in Führung. Die Szene ist sinnbildlich: Je länger das Spiel dauert, um so mehr Vorteile haben die Südamerikaner in der gedanklichen Frische. Sie bringen Sieg über die Zeit, ohne grosses Zittern. Eine beeindruckende Leistung, welche jeder Betrachter honoriert – und jeder neutrale Beobachter dürfte sich dabei ertappt haben, dass er sich wünscht, dass „es“ passiert. Weil er diese Mannschaft weiter spielen sehen will.

Nun ist Ecuador als einer der gut klassierten Gruppendritten sicher im Sechzehntelfinal und spielt dort gegen einen Gruppensieger. Und ich bin mir sicher, dass sich keiner Ecuador als Gegner wünschen wird.

Freudentränen, die so viel aussagen

Ein Merkmal dieser WM ist, dass dem Ausdruck der Emotionen nach den Spielen viel Raum gegeben wird. Und so können wir in Ruhe die Eindrücke von den Rängen einsammeln. So viele glückliche Menschen, Frauen und Männer und Kinder jeden Alters, und Viele lachen und weinen gleichzeitig. Ecuador spielt seine fünfte Weltmeisterschaft und übersteht zum zweiten Mal die Gruppenphase. Alle Teilnahmen fanden in diesem Jahrtausend statt. Es gibt eine positive Entwicklung mit viel Talentförderung im eigenen Land, die Zukunft ist vielversprechend. Schon heute spielen Einige bei absoluten Spitzenclubs in Europa. Aber nun wir der Moment gelebt, in welchem Mannschaft, Trainer und Volk eine Einheit bilden. Vergessen die Anfeindungen, welche die Familie von Trainer Sebastian Beccacece nach dem zweiten Spiel erdulden musste. Die Heissblütigen können leicht zum Mob mutieren. Die Protagonisten auf dem Spielfeld aber haben Leidenschaft und Beherrschung aufgebracht – und als Mannschaft bestanden.

Was jetzt kommt, ist Zugabe. Von mir aus kann es mehrere geben… es sei denn, die Schweiz bekommt Ecuador zugelost… Das ist möglich.

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