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Die Schweiz ist die letzte DACH-Nation an der Fussball-WM

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Nach dem Vorliegen von Ergebnissen ist es einfach, gescheit zu wirken – und es schon immer gewusst zu haben. Aber der Blick auf Deutschland, Österreich und die Schweiz an der Fussball-WM 2026 lässt sicher Rückschlüsse zu, die über den Moment hinaus Gültigkeit haben.

Österreich

Österreich hat sich seit gefühlten Ewigkeiten erstmals wieder für eine Endrunde qualifiziert und den Fans zuhause emotionale Achterbahnfahrten beschert. Als im letzten Gruppenspiel gegen Algerien nach 70 Minuten beim für beide Mannschaften vorteilhaften Spielstand von 2:2 das Spielgerät nur noch hin und her geschoben wurde, konnten wir alle schon Luft holen, um uns im Anschluss an den Erinnerungen an die Schande von Gijon zu weiden. Doch dann erinnerte sich Algerien daran, wer damals die leidtragende Mannschaft war, und beschloss, Österreich mit zwei Vertikalpässen und dem Genie von Mahrez ins Tal der Tränen zu schicken. Hätte dieses 2:3 das Endresultat bedeutet, würde die WM im Nachklang ganz anders bewertet. Doch dann kam der Karrieremoment des Sasa Kalajdzic und bescherte dem Land eine Erruption der Gefühle, wie sie nicht mal Hollywood hätte besser planen können. Nach dem sicheren Sieg gegen Jordanien, der resultatmässig knappen Niederlage gegen Argentinien und diesem unnötig glücklichen Unentschieden gegen Agerien (Österreich hätte einfach die Initiative im Spiel auch nach dem 2:2 behalten müssen) folgte die diskussionslose Niederlage gegen die übermächtigen Spanier im Sechzehntelfinal.

Damit hat Austria ziemlich genau die Faktenlage gespiegelt bekommen, und das Team um Ralf Rangnick wird es entsprechend einordnen können: Österreich ist wieder angekommen im Weltfussball, hat sich anständig präsentiert und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Rangnick hat seinen Vertrag schon vor der WM verlängert und wird weiter ein ambitionierter Antreiber sein. Viele Spieler sind jung und entwicklungsfähig, und die Rücktritte von Arnautovic und vielleicht Alaba werden aufgefangen werden können. Österreich ist nicht auf allen Positionen mit internationaler Klasse unterwegs, hat aber eine entwicklungsfähige Mannschaft mit Sympathieträgern und Leadern: Laimer und Sabitzer sind vorangegangen und können die Mannschaft weiter tragen. Wenn es gelingt, das vorgegebene Spielsystem weiter zu entwickeln und darin solidarisch aufzutreten, sind weitere Endrundenteilnahmen wahrscheinlich. Die persönliche Entwicklung der Spieler wird weitergehen – viele sind in kompetitiven Ligen in Europa engagiert. Wir können alle gespannt sein.

Deutschland

Überall im deutschsprachigen Raum in Europa beschäftigt die Fussballinteressierten, was in Deutschland (nicht) geschieht. Der Niedergang der Nationalmannschaft ist beispiellos – und dabei macht vor allem die Differenz zwischen dem Potenzial der einzelnen Spieler und dem Auftreten als Team sprachlos. Von aussen betrachtet fällt auf, dass in Deutschland sehr viel über Personen gesprochen wird – und recht wenig über Konzepte. Starke Spielerpersönlichkeiten führen aber per se noch nicht zu starken Teams. Wenn Spieler wie Pavlovic oder Kimmich bei Bayern mit absoluten Weltstars wie Olise oder Kane harmonieren, dann ist das eine andere Hausnummer, als wenn sie das Team Deutschland führen müssen. Der Einfluss von Bayern München auf die Nationalmannschaft ist noch grösser, als es die Qualität der Spieler notwendig machte. Die Torhüterdiskussion ist nur ein Beispiel dafür – dass Urbig bereits als neuer Nationaltorhüter gesetzt erscheint, ist, mit Verlaub gesagt, aus dem Ausland besehen einigermassen absurd, angesichts der Dichte an guten Torhütern, welche sich in ihren Clubs bereits etabliert haben.

Was ich besonders vermisse: Für welche Art Fussball will Deutschland eigentlich stehen? Der Konzepttrainer Nagelsmann liess das in jedem Fall nicht erkennen. Die Selbstzweifel sind enorm angewachsen, und was früher Deutschlands Stärke war, ist zu seiner grössten Herausforderung geworden: Mentalität.
Die Spieler bringen ihre persönlichen Probleme und Formstände aus den Clubs mit, können sie dann aber im Team nicht ablegen und nicht aneinnder wachsen. So macht Deutschland eben weiter, indem es auf den nächsten Heilsbringer setzt: Jürgen Klopp muss die Hand auflegen. Doch noch wichtiger als das Geld für seinen Lohn wird die Zeit sein, die man ihm geben muss. Denn wenn er tatsächlich nochmals die Power hat, um alles zu durchdringen, dann wird das Zeit brauchen. Und die Einsicht, dass man aus Rückschlägen mehr lernen kann als aus Erfolgen.

Schweiz

Die Schweiz wolle die beste WM aller Zeiten spielen, hat Murat Yakin getönt. So unschweizerisch selbstbewusst, wie es sein Captain schon seit vielen Jahren vorlebt: Granit Xhaka hat soeben das 150. Spiel für die Nati bestritten. Das sind Lothar-Matthäus-Dimensionen. Er führt eine Generation von Spielern an, die alle seit 2014 viele Endrunden erreicht und bestritten haben. Die Achse mit den Innenverteidigern Manuel Akanji und Nico Elvedi, den zentralen Mittelfeldspielern Xhaka und Remo Freuler und dem Sturmtank Breel Embolo bringt es zusammen, Stand heute, auf 488 Einsätze für das Nationalteam. Spieler wie Akanji und Xhaka haben sich in grossen Vereinen immer wieder bewiesen. An ihnen könenn sich viele andere orientieren. Für die Schweiz gilt seit vielen Jahren, dass die Spieler im Nationalteam oft viel besser performen als in ihren Clubs. Daraus wird in der Regel kein Fussballcocktail, bei dem die Champagnerkorken nur so knallen, aber eine mannschaftliche Geschlossenheit, die als Gegner schwer zu überwinden ist. Auch die Schweiz muss viele Hürden Schritt für Schritt nehmen. Erst galt es, sich regelmässig für Endrunden zu qualifizieren. Das hat mit Spielern wie Ciriaco Sforza, Stephande Chapuisat, Alain Suter, Adrian Knup, Stéphane Henchoz und vielen anderen begonnen, die in Erinnerung geblieben sind. Trotzdem hat es sehr lange gedauert, bis an Endrunden ein K.O. Spiel gewonnen wurde. Aber das Team schreibt eine fortlaufende Geschichte, zuletzt mit Siegen (und weiteren Niederlagen) nach Elfmeterschiessen gegen Top-Nationen (gegen England und Spanien als Verlierer, gegen Frankreich als Gewinner). Aber daraus ist ein Selbstbewusstsein erwachsen, das nicht so leicht zu erschüttern ist.

Das Spielermaterial ist das Eine – die Kontinuität auf der Trainerposition das Andere. Ottmar Hitzfeld, Jakob Köbi Kuhn, Vladimir Petkovic, Murat Yakin. Jeder hat die Arbeit des Vorgängers weiter geführt und ein Stück Identität geschaffen. Die Spieler freuen sich auf die Zusammenzüge, und es scheint, dass sie daraus Energie für die Clubkarriere ziehen. Dan Ndoye und Ruben Vargas spielen in der Nationalmannschaft regelmässig auffälliger als in ihren Clubs – weil die Spielertypen gut ineinander greifen und die Spieler Aufgaben bekommen, die zu ihnen passen. Die Hackordnung stimmt, Gräben zwischen Welschen und Deutschschweizern scheinen unerheblich.

Es ist eine DNA entstanden, für die das Team steht. Und diese Aussage bleibt unabhängig vom Resultat im kommenden Achtelfinal gegen Kolumbien gültig. Mit Peter Knäbel und Mirko Jurendic hat der Fussballverband in seinem Management Fachleute am Ruder, welche Konzepte für Talentförderung und Spielphilosophie nachhaltig entwickeln können und sollen. Es wird nicht immer so traumhaft weiter gehen, aber bange muss niemanden werden, auch wenn Xhaka 2030 seine letzte WM spielen wird… dann ist er ja erst knapp 38 Jahre alt.

Und wir haben es gut. In einem Land, in welchem die allgemeinen Ansprüche an das Team von aussen weniger hoch scheinen, als diejenigen, welche die Spieler selber an sich stellen.

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