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Die Hand Gottes und der Linienrichter

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Vor vierzig Jahren fielen innert vier Minuten die zwei WM-Tore, die immer unvergesslich bleiben werden. Linienrichter Bogdan Dotchew hatte bei beiden Szenen den Platz mit der besten Sicht auf das legendäre Geschehen im Aztekenstadion in Mexiko Stadt.

Diego Maradona gottgleich?

Für alle Fussballfans bleibt das zweite Tor Maradonas, mit einem Dribbling, gestartet aus der eigenen Platzhälfte, vorbei an der halben englischen Mannschaft bis zum erfolgreichen Torschuss, unvergesslich, spektakulär, einfach schön.
Weniger schön finden wir alle, wenn wir denn nicht Argentinier sind, die Szene vier Minuten zuvor, in welcher der kleine Maradona den viel grösseren Torhüter Peter Shilton überspringt und den Ball ins Tor köpft. Oder eben mit der Hand ins Tor befördert. Maradona jubelt, die Engländer sind ausser sich, in Clips sehen wir uns die Szene bis heute immer wieder an und staunen über das Timing, mit dem das trickreichste Gaunertor der WM-Geschichte erzielt wurde, und von dem er selbst nach dem Spiel sagte: „Wenn es ein Handspiel war, dann war es die Hand Gottes.“

Der blinde Linienrichter?

Der tunesische Schiedsrichter Ali Bennaceur pfeift und rennt Richtung Mittellinie. Er entscheidet auf Tor. Das ist ungeheuerlich. Aber fast noch mehr entlädt sich der Zorn nicht nur von ganz England über dem bulgarischen Linienrichter, der mit bester Sicht auf die Szene, vorbildlich mitgelaufen, die Fahne nicht hebt. Das Tor zählt. Alle Proteste sind vergebens.

Nach dem Spiel versuchen Schieds- und Linienrichter zu verstehen, was in dieser zweiten Halbzeit geschehen ist und warum. Doch das ist schwierig. Bennaceur spricht Englisch und Französisch, Dotschew kann sich auf Spanisch und Deutsch verständigen. Also reden die Beiden nur über einen Dolmetscher miteinander. Es ist das letzte Mal, dass sie sich begegnen.

Die Konsequenzen und das kleine Detail

Nur wenige Wochen nach der WM wird Dotchew seine Lizenz entzogen – und er erhält sie nie mehr zurück. Dotchew schweigt, macht einen Abschluss an der Universität und arbeitet im Finanzwesen. Jahrzehnte später gibt er bulgarischen Medien ein Interview und weist auf das kleine Detail hin: Die Regeln waren damals so, dass Linienrichter ein Handspiel von der Seitenlinie aus nicht anzeigen durften. Das lag ausserhalb ihrer Kompetenz, und der Schiedsrichter Bennaceur hatte keinen Bedarf nach einer Rücksprache mit seinem Assistenten…

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