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Die besonders Treuen

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Noch ist es keine gesicherte These, sondern nur eine Beobachtung: In vielen historischen „One‑Club‑Player“-Listen und Vereinsrekord-Spielerlisten tauchen scheinbar überdurchschnittlich oft bestimmte Spielerpositionen auf. Was legt besonders nahe, dass da was dran ist?

Besonders verdiente, vereinstreue Spieler sind scheinbar überdurchschnittlich oft

Torhüter

Nicht nur mir kommt dabei sofort die Tradition der grossen Torhüter bei Bayern München in den Sinn, aber wohl jeder ebenso treue Fan eines bestimmten Vereins wird sogleich Torhüter nennen können, die in seinem Club viele Jahre der Rückhalt zwischen den Pfosten waren. Torhüter sind die defensive Rückversicherung, stehen für Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit. Grosse Torhüter spiel(t)en meist lange Jahre im gleichen Verein. Gianluigi Buffon spielte 18 Jahre für Juventus Turin, Karl Grob 21 Jahre im FC Zürich – es gibt unzählige Beispiele in allen Ligen Europas. Dabei vermute ich mal, dass diese Beobachtung für die Vergangenheit noch viel mehr als für die Gegenwart zählt. Es kommt scheinbar immer häufiger vor, dass ein neuer Trainer die Torhüterfrage aufmacht und sich tendenziell häufiger dafür entscheidet, gerade auf der Torhüterposition einen Wechsel vorzunehmen. Ein besonderes Beispiel, das noch aus der Vergangenheit, ist Marc-André ter Stegen, den Trainer Lucien Favre mitten im Abstiegskampf ausgerechnet im Derby gegen den 1. FC Köln erstmals auflaufen liess. Der Rest ist Geschichte. Noch immer gilt wohl: Trainer wechseln eher den Flügelstürmer als den Torhüter, der zugleich Verlängerung der Defensive und Identifikationsfigur ist.

Und geht der Tausch des Torhüters schief oder wird er wieder zurückgenommen, droht häufig eine gröbere Verunsicherung. Eine solche zeichnet sich gerade beim FC Zürich ab, wo der talentierte 19jährige Silas Huber den 31jährigen Captain Yanick Brecher ersetzte, bis der neue Interimstrainer wieder zurück rotierte – und Brecher den nächsten groben Fehler machte. Wie es wohl weiter gehen wird?

Ein Team, das auf dieser Position eine auch nur kleine Baustelle hat, hat ein grösseres Problem. Und ein verunsicherter Torhüter wird schneller zum Fliegenfänger.

Innenverteidiger

sind häufig Spieler, die ihren Strafraum bildlich gesprochen mit dem Messer zwischen den Zähnen verteidigen. Sie gehören zur viel beschworenen Achse einer jeden gut funktionierenden Mannschaft, stehen aber nicht so im Fokus wie die zentralen Offensivspieler. Sie sind ja auch dafür da, dass die offensiven gegnerischen Spieler nicht zum Zug kommen. Sie laufen oft unter dem Radar, und haben wir zwei gleich talentierte und technisch gute Fussballer, so wird der eine als Innenverteidiger fast immer einen tieferen Marktwert haben als der andere als Mittelstürmer. Dadurch entstehen auch weniger Gelüste beim Spieler selbst wie bei Interessenten. Dass Urs Fischer genau so ein Verteidiger war, der auch eine grosse Vereinstreue bewies, ist bezeichnend (zwei Vereine: drei Jahre FCZ, acht Jahre FCSG, nochmals acht Jahre FCZ). Bodenständigkeit und Standhaftigkeit auf dem Platz passen zusammen. Solche Spieler wissen oft sehr genau, welches ihr Platz ist und welche Bedeutung sie gerade dadurch haben können. Und heute sind sie auch für die Spieleröffnung wichtig, genau wie

defensive Mittelfeldspieler (klassische Sechser)

Für sie gilt im Grunde genau das Gleiche wie für die Innenverteidiger. Und auch sie gehören zur wichtigen Achse einer funktionierenden Mannschaft. Sie wollen das Spiel vor sich haben, viel am Ball sein und lieben es, ihn zu erobern, einen gegnerischen Angriff zu antizipieren und damit zu unterbinden. Der Wert der Sechser zeigt sich manchmal erst dann, wenn sie fehlen – und das Zentrum plötzlich viel durchlässiger erscheint. War früher der Sechser eine Art Apportierhund für den strahlenden Spielgestalter im offensiven Mittelfeld, ist seine Rolle heute viel konstruktiver und spielbestimmender geworden. Aber auch hier gilt: Der Sechser ist tendenziell „billiger“ als der Zehner – gerade wenn man bedenkt, wie gross die wirkliche Bedeutung ist.

Das gleiche Phänomen für alle Positionen:

Die Spieler, die diese Rollen bekleiden, gehören meist nicht zu den Topverdienern der Mannschaft, und doch scheinen sie nicht zu den tendenziell unzufriedeneren Spielern der Mannschaft zu zählen. Diese Positionen leben stark von Stabilität, Vertrauen und Hierarchie im Team. Sie orientieren sich an ihrem internen Stellenwert in der Mannschaft, und wissen um die Stabilität, die sie dem Team vermitteln können. Und es ist auf eine besondere Weise befriedigend, eher ein Gerüstspieler als ein Transferobjekt zu sein: Grössere Chancen auf dem Transfermarkt beinhalten auch immer grössere Gefahren für einen Absturz.

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