Der letzte Schritt ist der Schwerste
Eine Fussballsaison ist lang. Die Teams durchleben unterschiedlichste Phasen und schreiben unzählige Geschichten. Und dann kommen die allerletzten Spiele – und noch so viel ist unter Umständen offen und kann in einem einzelnen Moment gewonnen oder verspielt werden. Ein paar Beispiele.
Deutsche Bundesliga
Es folgt am Samstag, 15h30, für alle 18 Teams zeitgleich das letzte Spiel. Der VfB Stuttgart, die überraschende TSG Hoffenheim und das enttäuschende Leverkusen machen den 4. Platz in der Tabelle und damit den letzten Champions League-Platz unter sich aus. Stuttgart hat alles in den eigenen Händen. Gewinnen sie in Frankfurt, das noch auf die Conference League hoffen kann, bleiben sie mit dem besten Torverhältnis wohl Vierter. Hoffenheim will von allfälligen Punktverlusten profitieren können und in Gladbach gewinnen. Leverkusen ist darauf angewiesen, dass beide Kontrahenten verlieren, wäre dann mit einem Sieg gegen den HSV aber Vierter.
| Rang | Mannschaft | Torverh. | Punkte | letzter Gegner |
|---|---|---|---|---|
| 4 | VfB Stuttgart | +22 | 61 | Frankfurt (a) |
| 5 | TSG Hoffenheim | +17 | 61 | BMG (a) |
| 6 | Bayer Leverkusen | +21 | 58 | HSV (h) |
Hoffenheim scheint gegen Ende ins Studieren zu kommen. Platz 4 hat ihnen niemand zugetraut. Es gilt, Kopf und Beine frei für die letzten 90 min zu bekommen. Stuttgart hat noch das Highlight des Cupfinals in Berlin gegen die Bayern vor sich, hat gefühlt unzählige Schlachten schon geschlagen in dieser Saison und versucht nun das erste ganz grosse Ziel zu erreichen. In Leverkusen werden bereits die Wunden geleckt und Rolfes muss wohl die Trainerentscheidung moderieren – die Mannschaft hat sich zwar stabilisiert, aber ist spielerisch trotz dem hohen Potenzial nie wirklich ins Laufen gekommen.
Aber alle diese Teams operieren in einem Umfeld, in welchem ihnen zumindest das europäische Geschäft in der nächsten Saison sicher ist. Ganz anders präsentiert sich die Lage am Tabellenende, und hier geht es unmittelbar nachvollziehbar um existenzielle Entscheidungen, die den ganzen Verein betreffen – und gerade dieses Jahr ist es unfassbar eng. Zudem sind drei Vereine mit einem ganz unterschiedlichen Charakter betroffen – und zwei von ihnen begegnen sich direkt.
| Rang | Mannschaft | Tore | Torverh. | Punkte | letzter Gegner |
|---|---|---|---|---|---|
| 16 | VfL Wolfsburg | 42 | -26 | 26 | St. Pauli (a) |
| 17 | 1. FC Heidenheim | 41 | -29 | 26 | FSV Mainz 05 (h) |
| 18 | FC St. Pauli | 28 | -29 | 26 | Wolfsburg (h) |
Der VW-Werksclub aus Wolfsburg fährt zum genossenschaftlich orientierten Hamburger Kultverein St. Pauli. Den einen wird auf Grund der fehlenden Tradition trotz vieler besonderer bereits geschriebener Bundesligageschichten schlicht die Existenzberechtigung abgesprochen, die andern weigern sich partout, ihren Idealismus zu revidieren und den Fussball ohne die speziellen identitären eigenen Überzeugungen zu spielen. St. Paulis riesiges Problem ist die fehlende Torgefahr, während sich Wolfsburg unter dem erfahrenen Trainer Hecking einigermassen stabilisiert hat. Und was Heidenheim, lange wie der sicherste Absteiger gehandelt, in der Schlussphase wieder geleistet hat, ist faszinierend. Platz 16 berechtigt zu den Spielen der Relegation gegen den dritten der zweiten Bundesliga. Nur der Sieger des Dreikampfs kann sich über diese Zusatzspiele noch in der Liga halten.
Deutschland. Die zweite Bundesliga
Die vielleicht faszinierendste Meisterschaft aller Zweitligakonkurrenzen in Europa – mit vielen Traditionsvereinen und einem unerreicht hohen Publikumszuspruch – bekommt ebenfalls ein besonderes Finale, in welchem der kleine SV Elversberg, der auch dieses Jahr bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielt, die deutlich beste Ausgangslage für den zweiten direkten Aufstiegsplatz besitzt – mit einem Sieg im Heimspiel gegen den Absteiger Preussen Münster ist der Aufstieg praktisch sicher (Schalke 04 ist bereits enteilt und definitiv wieder Bundesligist). Hannover 96 müsste die Nürnberger schon zur Schiessbude machen, was nicht zu erwarten ist. Auf einen Ausrutscher hofft Paderborn, das in Darmstadt antreten muss – dem ersten von einer ganzen Reihe von enttäuschten Vereinen, die ihre Ambitionen haben begraben müssen.
| Rang | Mannschaft | Tore | Torverh. | Punkte | letzter Gegner |
|---|---|---|---|---|---|
| 2 | SV Elversberg | 61 | 22 | 59 | Preussen Münster (h) |
| 3 | Hannover 96 | 57 | 16 | 59 | 1. FC Nürnberg |
| 4 | SC Paderborn | 57 | 12 | 59 | SV Darmstadt (a) |
Alle Mannschaften haben gegen Ende Mühe bekundet. Es muss erst nochmals 90+X Minuten gespielt werden… Mit Elversberg würde seit langer Zeit wieder mal ein Saarländer Verein in der Bundesliga spielen. Die Beständigkeit, mit welcher sich die Elversberger etabliert haben, ist bewundernswert – die Bundesliga aber würde definitiv zum Abenteuer.
Am Tabellenende kann der Aufsteiger Dynamo Dresden mit dem Schweizer Trainer Thomas Stamm nicht mehr direkt absteigen und scheint praktisch gerettet.
Prekär ist die Lage für Greuther Fürth, aber auch die Fortuna aus Düsseldorf hat eine Seuchensaison in den Knochen und gastiert ausgerechnet bei Fürth. Für Düsseldorf spielt der Schweizer Cedric Itten eine besondere Rolle. Er übernimmt die Verantwortung und trifft regelmässig. Das glückliche Ende steht noch aus. Dazwischen liegt Arminia Bielefeld – der ein Punkt gegen Hertha des guten Torverhälntisses wegen mindestens für Rang 16 und damit die Relegation reichen sollte.
| Rang | Mannschaft | Tore | Torverh. | Punkte | letzter Gegner |
|---|---|---|---|---|---|
| 14 | Eintracht Braunschweig | 36 | -17 | 37 | Schalke 04 (a) |
| 15 | Fortuna Düsseldorf | 33 | -17 | 37 | Greuter Fürth (a) |
| 16 | Arminia Bielefeld | 47 | -3 | 36 | Hertha BSC (h) |
| 17 | Sp Vgg Greuther Fürth | 46 | -22 | 34 | Fortuna Düsseldorf (h) |
| 18 | Preussen Münster | 38 | -20 | 30 | SV Elversberg |
Premier League, England
Wie viele Jahre kämpft Arsenal schon um diese nächste englische Meisterschaft? Immer war eines der anderen Schwergewichte am Ende stärker. Unter Arsène Wenger haben sie den tollsten Fussball gespielt, waren aber auch da oft international erfolgreicher als am Ende im eigenen Land. Mikel Arteta, ein Schüler von Pep Guardiola, baut seit nun schon vielen Jahren an der nächsten Meistermannschaft, und dieses Jahr lagen sie lange weit voraus. Manchester City schien zu schlingern, Pep schien irgendwie schon mit seinem Abstieg beschäftigt zu sein, bevor City in der Rückrunde wie aus der Asche stieg, zu neuer Stabilität fand und Arsenal auch im Direktduell besiegte, während Arsenals Vorsprung schmolz wie Butter an der prallen Sonne. Die Abgesänge lagen nahe – aber Arsenal hat nicht nur das Champions League Finale erreicht, sondern auch noch zwei Punkte Vorsprung in der PL-Tabelle – zwei Runden vor Schluss.
Es fehlen noch zwei Spiele. Arsenal empfängt als nächstes Absteiger Burnley, während City zum ambitionierten AFC Bournemouth reisen muss. In der letzten Runde tritt Arsenal bei Crystal Palace an, das noch den Conference League Final vor sich hat. Und Manchester City spielt zuhause gegen Aston Villa.
Und der Abstieg? Burnley und Wolverhampton stehen als Absteiger fest. Tottenham hat noch immer nur zwei Punkte Vorsprung auf West Ham United…
DER Showdown in Schottland
Heart of Midlothian führt auch vor dem 38. und letzten Spieltag die Tabelle in Schottland an, ein winziger Punkt vor Celtic Glasgow.
Am Samstag um 13h30 kommt es zur entscheidenden Begegnung, in welcher der Seriensieger Celtic Glasgow, der nur einen Punkt zurück liegt, im allerletzten Spiel den Tabellenführer empfängt. Gewinnt Celtic doch noch und erneut die Meisterschaft, oder verteidigen die Hearts den Vorsprung und werden zum ersten Mal seit 1960 wieder Meister? Über die aktuellen Hintergründe dieses Clubs habe ich schon ein wenig geschrieben (Der datengetriebene Profifussball).
Schweiz – Auf- und Abstieg
Der Aufsteiger und Überraschungsmeister FC Thun steht sei mehreren Runden fest und feiert seither mehr als dass er noch Fussball spielt. Während er heute den Pokal überreicht bekommen hat, musste der FC Basel definitiv die letzte Hoffnung auf europäischen Fussball in der nächsten Saison aufgeben. Alles konzentriert sich nun auf die Frage nach Auf- und Abstieg. Der sympathische FC Winterthur muss nach vier Jahren den Gang in die Challenge League antreten, während die Grasshoppers zum dritten Mal in Serie versuchen, über die Relegation den Abstieg zu verhindern. Gegen wen das gelingen muss, steht noch nicht fest. Morgen Freitag um 20h15 wird die letzte Runde in der Challenge League angepfiffen.
Der Leader FC Aarau empfängt zuhause Yverdon (3.), während der FC Vaduz, einen Punkt hinter Aarau zurück, beim FC Wil (7.) antritt. Bei Punktgleichheit würde Vaduz des besseren Torverhältnisses wegen an Aarau vorbeiziehen.
Kleine Pointe aus der Historie. An diesem Scheideweg kreuzen sich die Wege der Grasshoppers nicht zum ersten Mal mit denen des FC Aarau. Z.B. 1993, als der FC Aarau völlig überraschend Schweizer Meister wurde, stiegen die Grasshoppers zeitgleich gerade wieder in die oberste Spielklasse auf. Die umgekehrten Stärkeverhältnisse entsprechen dem Potenzial der Vereine allerdings eher, weshalb der FCA um so mehr daran setzen dürfte, morgen Abend den Deckel drauf zu machen.
Kategorien: Fussball
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