Hauptsache Sport

gewinnen und verlieren

Da ist genug Dreck vor der eigenen Tür zu kehren

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Der 1. FC Union Berlin hat Trainer Steffen Baumgart entlassen und für die letzten fünf Spiele der Saison Marie-Louise Eta als Cheftrainerin eingesetzt. Die frühere Assistenz-Trainerin übernimmt zudem im Sommer das Bundesliga-Frauenteam der Berliner. Die Reaktionen – nicht nur im Netz – sind entlarvend.

Viel zu viel ist noch immer nicht normal

Was ich da alles hören kann in den Diskussionen… Horst Heldt hat einen PR-Gag gelandet und für fünf Spiele eine risikolose Werbekampagne für den wieder mal ach so anderen Köpenicker Fussballverein lanciert. Was für ein Gaudi, wenn da ein gestandener Fussballtrainer in den kommenden Wochen gegen eine Frau ein Spiel verlieren sollte? Oder der: Man zeige mir den Mann, der einer Frau zuhört, wenn die ihm etwas über die Taktik im Fussball erzählen will.

Dann will ich mal klar stellen: Manager Heldt hat erst mal Baumgart entlassen, weil er ein Problem hat: Die Mannschaft hat von den letzten dreizehn Spielen nur zwei gewonnen, und bei dieser Tendenz sind sieben Punkte Restreserve auf die Abstiegsplätze nichts, was man nicht noch ganz leicht ganz verspielen könnte. Nein, die sportliche Führung traut der Frau, deren Arbeit man bestens kennt, eben genau einen Turnaround zu. Und wenn all die Männekens, die teures Geld für Pay-TV bezahlen, sich so über das Taktik-Wissen von Frauen mokieren, dann frage ich mich, wo die während der Spielvor- und Zwischenberichte denn so mit ihren Gedanken sind, wenn mittlerweile durchaus öfters auch Frauen über die taktischen Fehler der Männerteams reden?

Es ist wirklich noch brutal viel zu tun – und als Erste richtig hinhören werden in den kommenden Tagen die Spieler von Union Berlin – denn die Chefin wird entscheiden, wer spielt. Immer noch eine simple Tatsache, die einfach mal gilt.

Die westeuropäische Moral gehört daheim gelebt, nicht in Katar reklamiert

Das Thema hier, das eigentlich doch gar keines sein sollte, erinnert mich fatal an den Auftritt aller deutschen Repräsentanten an der WM in Katar: Während in der heimischen Liga noch kaum eine Schiedsrichterin in den obersten Männerligen pfeift, kein schwuler Profi-Fussballspieler sich outen mag, jede Frau mit einer Funktion in einer Männersportart mit zotigen Kommentaren rechnen muss, leisteten sich der DFB und Ministerin Faeser hochnotpeinliche offizielle Auftritte im Gastgeberland der Fussball-Weltmeisterschaft. Vor der eigenen Tür und im eigenen Heim gibt es genug zu kehren und zu richten. Packen wir es an und zeigen wir da Flagge, wo wir auch begründet mitreden können und sollen.

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